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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische
Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges - Miriam Clados
V. Sicherheit und Miltär
A. Die Ausgangslage
Chinas negative Perzeption des ehemals unterwürfigen Japans
beruhten während der ersten Phase ihres Verhältnisses (1949-1972)
historisch auf Japans Rolle als expansive Kolonialmacht in China. Der verhaßte
japanische Militarismus und dessen Kriegsverbrechen waren und sind teilweise
tief verankert in der Erinnerung des chinesischen Volkes. Unter diesem Gesichtspunkt
der militärischen Erblast wurde Japans enge Anlehnung an die USA nach dem
Ende des zweiten Weltkriegs zum entscheidenden sicherheitspolitischen Hindernis
für eine Annäherung beider Staaten. Bestärkt und gefestigt wurde
diese Haltung durch die Yoshida-Doktrin, dem japanisch-amerikanischen Friedens-und
Sicherheitsvertrag vom Jahr 1951 und dessen Erneuerung 1960. Aus diesem Vertrag
ergab sich die Stellung Japans als wichtigster asiatischer Verbündeter
und militärischer Stützpunkt im asiatischen Raum des verhaßten
"US-Imperialismus". China dagegen schlug einen Weg gemeinsam mit der Sowjetunion
ein und wurde als deren enger Verbündeter an den dem Westblock antagonistisch
gegenüberstehenden Ostblock gezogen. China und Japan hatten also eine klar
"feindliche" Stellung zueinander. Erst in den 60er Jahren gab China diese
prosowjetische Haltung auf und es kam zu einer starken Entfremdung zwischen
den beiden Ländern, die schließlich in Konfrontation überging.
Trotz der zunehmenden Institutionalisierung volksdiplomatischer und wirtschaftlicher
Kontakte zwischen Japan und China wurde der Normalisierungsprozess im sino-japanischen
Verhältnis erst dann im Rahmen der Zwischenzonentheorie, die China zwischen
die beiden Blöcke rückte, über die fortschreitende Eskalation
chinesisch-sowjetischer Konflikte und der einsetzenden Normalisierung zwischen
China und den USA in Gang gesetzt. China wurde dabei kein Mitglied des Westblocks,
aber es konnte nur mit der Unterstützung der USA mit der Bedrohung durch
die Sowjetunion umgehen. Neben diesen Entwicklungen und Japans Wirtschaftsboom
gab die Rückgabe des US-Militärstüzpunktes Okinawa im Nixon-Sato-Communique
1969 und die daraus gewachsene Sorge Chinas vor einer japanischen Verselbständigung
bzw. einer eventuellen Zusammenarbeit mit Moskau den Ausschlag für Beijings
strategischen Kurswechsel in seiner Japanpolitik.
Somit kam es durch die Bemühungen Chinas bzw. auf Druck Chinas
zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen und der Unterzeichnung einer beiderseitigen
Erklärung, in der die Annulierung des japanisch-taiwanesischen Friedensvertrags
von 1951, die Anerkennung Beijings als einzig rechtmäßige Regierung
Chinas und zur Antihegemonieklausel, die es Japan verbietet, sich militärisch
wieder zu einer Großmacht aufzuschwingen. Hier wurde auch der bis dahin
formell existierende Kriegszustand aufgehoben und China verzichtete auf Kriegsentschädigungen.
Der bündnisähnliche Vertrag beendete Japans Position zwischen China
und Rußland und führte überdies hinaus zu der Entente Washington-Japan-China.
Der neu erworbene Zugang zu Japans hohem zivilen und militärischen Know-how
führte zur erheblichen Ausweitung von Chinas außen- und sicherheitspolitischen
Spielraum gegenüber den Supermächten. Die Volksrepublik machte davon
in sofern auch Gebrauch, daß sie sich nicht in einen der beiden Blöcke
integrieren ließ und dadurch großen strategischen Einfluß
erhielt jedesmal wenn sie ihre Position und Aktionen neu definierte.
Obwohl Beijing im Zuge dieser historischen Wende eine tolerantere
Haltung gegenüber Tokios Selbstverteidigungskräften einnahm, hielt
man doch an einer Lob- und-Tadel-Strategie gegenüber Japan fest. Ein Beispiel
ist der Schulbuchstreit 1982 oder die vehemente Kritik an Nakasones offiziellem
Besuch am Yasukuni-Schrein (s.o.). Und auch heute noch läßt die Regierung
in Beijing keinen Versuch Japans zu, diese Beschränkung auf die Selbstverteidigung
zu beenden, sonder Ansätze werden möglichst im Keim erstickt und aufs
heftigste kritisiert.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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