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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische
Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges - Miriam Clados
IV. Die Wirtschaftsbeziehungen
B. Die japanisch-chinesischen Wirtschftsbeziehungen
China und Japan unterhalten umfangreiche bilaterale Wirtschaftsbeziehungen.
Nach Etablierung der offiziellen Beziehungen entwickelte sich der Handel zuerst
sehr langsam. Insbesondere in den neunziger Jahren sind dann aber sowohl die
Handelsströme als auch das Volumen der Direktinvestitionen beträchtlich
gewachsen. Als wichtigste Gründe für die Intensivierung der bilateralen
Handelsbeziehungen gelten das schnelle Wachstum der Wirtschaft und die daraus
resultierende hohe Importnachfrage, insbesondere nach Maschinen und Technologie.
Japan ist inzwischen für China der wichtigste Handelspartner, umgekehrt
ist China seit 1991 nach den USA Japans zweitwichtigster Lieferant und in der
ersten Hälfte 1998 auch zum viertgrößten Abnehmer avanciert.
Bereits seit 1988 erzielt China im bilateralen Außenhandel gegenüber
Japan einen Überschuß, 1997 ist er nochmal gewachsen. Aus japanischer
Sicht ist dies das größte Defizit, das Japan gegenüber irgendeinem
Land aufweist. Da im ersten Halbjahr 1998 die japanischen Einfuhren stärker
zurückgingen als die Ausfuhren schrumpfte das japanische Defizit im bilateralen
Handel auf 8,1 Mrd. gegenüber 10,1 Mrd. des Vorjahrs(vgl.Lit.9). Das Ungleichgewicht
im Handel sorgt oft für Spannungen, obwohl sich Tokio gern im Gegenzug
auf japanische Investitionen und die gewährte Entwicklungshilfe beruft.
Argumente dieser Art stoßen in Beijing auf taube Ohren, da die chinesische
Führung der Ansicht ist, daß die japanische Seite dort, wo sie keine
Kriegsreparationen leiste wenigstens solide Ersatzleistungen zu erbringen habe.
Japanische Unternehmen haben China erst seit Anfang der 90er Jahre
eine größere Bedeutung im Rahmen ihrer langfristigen strategischen
Planung eingeräumt. Im Zeitraum 1951 bis 1991 entfielen dementsprechend
lediglich ein Anteil von 1% der weltweiten japanischen Investitionen auf die
Volksrepublik, dagegen sind sie bis 1999 überdimensional gestiegen. Daran
läßt sich das starke Interesse Tokios an der Volksrepublik ablesen.
Gefördert werden die wirtschaftlichen Beziehungen von den komplementären
Faktorausstattung. Die Volksrepublik benötigt das Know-How aus Japan. Darunter
fallen alle Arten von Technologietransfer, insbesondere im Maschinenbau. China
kann seine Produkte durch viele billige Arbeitskräfte kostengünstig
herstellen und bietet damit einen großen Anreiz für ausländische
Investoren. Umgekehrt konnte China lange Zeit mit billigen Rohstoffen das ressourcenarme
Japan ausstatten. Heute kann China dem wirtschaftlichen Partner mehr mit seinem
riesigen Konsumentenmarkt einen Anreiz bieten.
Insgesamt sind die wirtschaftlichen Beziehungen sehr stark ausgeprägt
und führen zu ständig wachsenden Interdependenzen. Damit bilden sie
die wichtigste Säule des chinesisch-japanischen Verhältnisses. Sie
wird es wohl auch verhindern, daß China und Japan je wieder in eine Zeit
der Beziehungslosigkeit zurückfallen. Zu Spannungen in diesem Bereich hat
einzig die defizitäre Außenhandelsbilanz Japans geführt.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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