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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische
Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges - Miriam Clados
III. Die Verhältnisse nach dem Kalten Krieg
E. Die Taiwan-Problematik
Die Taiwan-Frage ist Gegenstand eines permanenten Tauziehens.
Japan, das in Taiwan 50 Jahre lang koloniale Herrschaft ausgeübt hatte,
sieht sich der Insel auch heute noch auf besondere Weise verbunden, wobei natürlich
nicht nur Sentimentalität, sondern auch wirtschaftliches Kalkül mit
im Spiel ist. Diese Einstellung wird von der Bevölkerung Taiwans durchaus
geteilt. 1978 erkannte Japan innerhalb des Freundschafts- und Normalisierungsvertrags
die chinesische Taiwanpolitik an. Das heißt, es akzeptierte Chinas Politik
des einen Staates und unterbrach alle diplomatischen Beziehungen zu Taiwan.
1994 kam es erstmals bei einem Treffen des APEC-Forums in Osaka zu einer Begegnung
zwischen japanischen und taiwanesischen Handelsdelegierten. Chinas scharfen
Protest hierauf und seine Warnungen vor einem Bruch der gemeinsamen Erklärung
von 1972 begegnete Tokio mit dem Hinweis, daß Taiwan lediglich als ein
Vertreter einer Wirtschaftsregion innerhalb der APEC behandelt werde. Beijing
mußte schließlich widerwillig nachgeben. Einen Schritt weiter ging
die japanische Regierung mit ihrer Einladung des taiwanesischenVize-Präsidenten
Xu Lide zu den Asien-Spielen in Hiroshima. Trotz der Drohung der chinesischen
Regierung, eine Bewerbung Japans um einen ständigen Sitz im Sichrerheitsrat
nicht mehr weiter zu unterstützen und die Spiele zu boykottieren, blieb
Japan hart.
Japan hat diese Linie der Politik fortgesetzt, weitere Ermutigung
fand es dazu, nachdem die USA den taiwanesischen Präsidenten Lee in die
USA einreisen ließ. Diese offenkundig selbstbewußte Haltung in der
Frage der Taiwan-Politik belastet das Verhältnis der beiden Regierungen
immer noch und war auch Thema des in der Einleitung geschilderten Besuchs des
chinesischen Präsidenten in Tokio. Dabei wurde festgelegt, daß "Japan
will continue to maintain its exchange of private and regional nature with Taiwan"
sonst aber "its stand on the Taiwan issue which was set forth in the Joint
Communique" (vgl. Lit.3) behalten will, also an der Politik Chinas festhält.
Trotzdem bleibt diese Beziehung China ein Dorn im Auge und gibt immer wieder
Anlaß zu scharfen Bemerkungen und Kritik, vorallem da nach Abschluß
des neuen Sicherheitsvertrags mit den USA 1997 nicht klar war, ob Taiwan nicht
auch unter die neuen Richtlinien des Vertrages fällt. Diese Richtlinien
gestehen Japan das Recht zu, im Falle einer friedensbedrohenden Situation auch
in seiner engen Umgebung, Maßnahmen zu ergreifen. Als dann 1996 Japan
den neugewählten Lee Denghui, der als pro-japanisch gilt, öffentlich
gratulierte, verschärfte sich Chinas Kritik. Diese Linie der japanischen
Politik wurde aber auch danach fortgesetzt, wie der offizielle Besuch des Dalai-Lama
in Tokio und schließlich Japans Wahl, den taiwanesischen Pass wieder als
voll gültig anzuerkennen, deutlich zeigen. In den Gesprächen mit China
hat das für erhebliche Spannungen gesorgt.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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