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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges
- Miriam Clados

  I     II     III     IV     V     VI     VII     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. Die Verhältnisse nach dem Kalten Krieg

D. Die Rolle Chinas

Für China ist momentan das wichtigste außenpolitische Ziel, ein langanhaltendes, stabiles und friedliches Umfeld zu schaffen und feste Bindungen mit seinen Nachbarn zu erreichen. Unter dieser Voraussetzung kann China seine Reformen, seine Öffnung und Modernisierung weiter vorantreiben. Dabei nimmt eine freundschaftliche und andauernde Beziehung zu Japan einen hohen Stellenwert in der chinesischen Außenpolitik ein. Aus diesem Grund verzichtete China z.B. auch auf die Wiedergutmachungsschulden Japans nach dem zweiten Weltkrieg, was individuelle Ansprüche aber nicht ausschließt. Japan hat eine starke regionale und globale wirtschaftliche Rolle inne und ist gleichzeitig dabei, seine politische Rolle weiter auszubauen. All das bereitet der VR China Sorgen, da dies bedeutet, daß Japan innerhalb des erneuerten Sicherheitsvertrags mit den USA auch eine Rolle entgegen Chinas Interessen, nämlich einem eigenen Ausbau der Rolle innerhalb der Sicherheitsarchitektur, einnimmt.

Nach der "Öffnung" Chinas und dem anhaltenden Boom der chinesischen Wirtschaft ist China sicherlich zu einem der interessantesten asiatischen Staaten geworden. Obwohl das Tempo des Wachstums, angesichts der vielfältigen und schweren internen Probleme nicht gleichmäßig verlaufen dürfte, ist doch nicht zu erwarten, daß die Rückschläge, die mit Sicherheit auftreten werden, wie z.B. die Asienkrise 1998, auf lange Sicht hin Chinas Aufstieg zur wichtigsten Industriemacht der Region beeinträchigen wird (vgl.Lit.7; S.5). Sein wachsender Einfluß, seine gesamte geostrategische und politische Position bieten Herausforderung und Gelegenheit zugleich. Die Zunahme des chinesischen Waffenpotentials ist für seine Nachbarn Grund zu hoher Aufmerksamkeit. Dies ruft vorallem die USA auf den Plan, die derzeit, als einzig noch übriggebliebene Supermacht, immer wieder neu versuchen, ihre Politik gegenüber China, einerseits durch Zurückdrängen und andererseits durch Integration, zu definieren.

Die politische Führung Chinas kann von sich selbst behaupten, bemerkenswerte diplomatische Beziehungen seit dem Zwischenfall am Tiananamenplatz, der China für kurze Zeit in die völlige Isolation verbannte, aufgebaut zu haben. Allerdings hängt, weltpolitisch gesehen, viel vom chinesischen Umgang mit den eigenen internen Problemen ab.

All dies verschafft der VR China ein großes global-politisches Gewicht. Japan hat sich auf diese veränderte Situation einzustellen und kann nicht ausschließlich an den USA festhalten, da dies zwangsläufig zu einer antagonistischen Gegenüberstellung der beiden Staaten führen würde.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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