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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges
- Miriam Clados

  I     II     III     IV     V     VI     VII     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. Die Verhältnisse nach dem Kalten Krieg

C. Die japanisch-chinesischen Beziehungen nach dem Kalten Krieg

Japans Verhältnis zu China ist im Spannungsfeld des Bewußtsein jahrhundertealter kultureller Gemeinsamkeiten und dem Schock über die Kolonial- und Kriegsvergangenheit angesiedelt. Tokio hat jahrzentelang versucht, sich hiervon durch einen kritiklosen Kurs gegenüber China zu entlasten, während Beijing diesen Umstand für seine Zwecke instrumentalisierte. Mit der Unterzeichnung des Freundschafts- und Normalisierungsvertrages gelang es zunächst den anomalen Zustand, der seit 1937 herrschte, zu beenden. Eine Begleiterscheinung dieses Vertrages war es, daß China auf Wiedergutmachungen für die Kriegsschäden verzichtete und Japan dafür die Antihegemonie-Klausel zugestand. Durch diese Normalisierung gelang es den beiden Nationen, aus dem Schatten der Ost-West-Konfrontation herauszutreten. Außerdem entwickelten sich die Beziehungen dank der komplementären Wirtschaft rapide. Es gab Tokio die Möglichkeit, durch seine enorme Wirtschafts- und Kapitalkraft den chinesischen Reformprozess zu beeinflußen. Eine stabile Situation liegt dabei auch sehr stark im Interesse Japans.

Ein zweiter Wandel in der Struktur der chinesisch-japanischen Verhältnisse ist die Aufhebung der Trennung von Poltik und Wirtschaft. Der Grundsatz der Trennung war noch bis weit in die 80er Jahre von der japanischen Seite aus verfolgt worden. Die japanische Regierung erhoffte sich dadurch, die chinesische Kritik an der nicht aufgearbeiteten Vergangenheit durch wirtschaftliche Hilfe an China zu kompensieren und damit zumindest in Grenzen halten zu können. Dies führte in der Vergangenheit oft dazu, daß Japan politische Konflikte mit China durch zusätzliche Wirtschaftshilfe zu akkomodieren versuchte, während China diese Tatsache umgekehrt dafür nützte, japanische Wirtschaftshilfe zu maximieren und gleichzeitig Japans außenpolitische Rolle zu begrenzen(vgl.Lit.6; S.385).

Diese Politik wurde dann nach und nach aufgelöst. Kredite an China werden nun viel stärker politisch konditioniert. Dadurch haben sich für Tokio neue Gestaltunsspielräume in der China-Politik eröffnet. Das gegenseitige Interesse bleibt dabei allerdings ungebrochen. Das zeigt sich sehr deutlich bei Japans Reaktion auf die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989. Japan brach dabei aus der Solidarität der G7 aus und setzte die Deblockierung der japanischen Kredite an China durch. Auch hob Japan schon 1991 wieder jegliche wirtschaftliche Sanktionen gegenüber China, viel früher als die anderen Staaten, auf. Auf diese Weise hob Japan die Wichtigkeit seiner Beziehungen zu China heraus. Auch heute ist Japan mehr denn je an einer stabilen Entwicklung und der Fortsetzung der marktwirtschaftlichen Reformen interessiert. Dabei ist man sich in Tokio und in Beijing bewußt, daß ein modernisiertes China gerade jetzt nach der Vereinigung mit Hong Kong, stärker als je zuvor werden kann und eine Herausforderung gerade für Japan darstellt.

Ein anderes Beispiel ist, daß es erstmals seit der Anerkennung der VR China durch Japan und dem Abbruch der Beziehungen mit Taiwan 1972 bei einem APEC-Forum, der wirtschaftlichen Vereinigung des asiatisch-pazifischen Raums, 1994 zu einer Begegnung zwischen dem japanischen und dem taiwanesischen Handelsminister kam, obwohl dies scharf von China kritisiert wurde. Die japanische Chinapolitik ist aber nicht beim stummen Protest stehen geblieben, sondern kritisiert die Regierung in Beijing und übt gegebenenfalls auch Druck auf sie aus. Die Fortsetzung von Atomtests durch China und Beijings anhaltende Kritik an Tokios Taiwan-Politik führten schließlich zu einer Unterbrechung der Verhandlungen über die Gewährung eines neuen Kredits an China. Erneute chinesische Atomtests bewirkten dann schließlich, daß Japan die Entwicklungszuschüsse für China kürzte, was China zwar nicht tatsächlich treffen konnte aber als Symbol seine Wirkung nicht verfehlt hat(vgl.Lit.30).

Mit zunehmender Verflechtung der beiden Volkswirtschaften ist nicht nur die Interdependenz zwischen Japan und China gewachsen, sondern auch das japanische Interesse, China in die Weltwirtschaft einzuführen. Ansätze zeigen sich hierfür bei Japans anhaltender Unterstützung für einen WTO-Beitritt Chinas. Umgekehrt ist China ein wichtiger Partner für Japan, wenn es um die Lösung der nordkoreanischen Nuklearfrage oder die Unterstützung eines ständigen Sitzes Japans im VN-Sicherheitsrat geht (vgl.Lit.7).

Beide Regierungen sind ständig bemüht, die manchmal etwas gespannten Verhältnisse mit gutem Willen und viel Einsatz zu entspannen. Als Forum dafür werden die seit 1997 regelmäßig durchgeführten gegenseitigen Besuche hoher chinesischer oder japanischer Politiker genutzt. Bei nüchterner Betrachtung allerdings sind diese Treffen nicht ausschließlich erfolgreich, sondern reflektieren eher die gegenwärtigen Probleme. Zu häufig diskutierten Themen dabei gehörten die Rolle Japans in Bezug auf die Taiwan-Frage, die Nukleartests aber auch Themen wie Hashimotos Rückkehr zum Yasuskuni-Schrein 1997 oder die häufigen Gebietsstreitigkeiten über z.B. die Spratly-Inseln oder die Diayu-Inseln. Diese, rund 150 km nordöstlich von Taiwan gelegene Inselgruppe wird von beiden Seiten als Hoheitsgebiet beansprucht und dies um so entschiedener, als im maritimen Umfeld größere Ölfelder vermutet werden. Da die Frage auf juristischem Weg nicht zu bereinigen ist kommt es periodisch immer wieder zu Kampagnen um die Inselhoheit. Bei all diesen Themen scheint eine Einigung immer nur unter zähen Verhandlungen zustande zu kommen(vgl.Lit.28;S.33).

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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