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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische
Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges - Miriam Clados
III. Die Verhältnisse nach dem Kalten Krieg
B. Die Rolle Japans während des Kalten Krieges
Die am 9. Juni 1995 vom japanischen Parlament verabschiedete Resolution
zum 50.Jahrestag des Kriegsendes ist von den asiatischen Nachbarn mit deutlicher
Kritik aufgenommen worden. Besonders in China vermisste man eine klare Entschuldigung
für die Greueltaten der kaiserlichen Armee während der japanisch-chinesischen
Kriege. Hier liegt das Problem der japanischen Nachkriegspolitik, nämlich
die Weigerung zur Auseinandersetzung mit der Kriegsvergangenheit. So kam es
auch nie zu der geforderten, glaubwürdigen Entschuldigung, für die
durch die japanische Kriegsführung verursachten Leiden. Es fehlt an der
Katharsis, wie sie Deutschland durchgemacht hat, und damit größtenteils
die Hitler-Vergangenheit bewältigt hat. In den Zeiten des Ost-West-Gegensatzes
war dies für Japan noch hinnehmbar, aber nicht unter den veränderten
Bedingungen, die von Japan verlangen, mehr internationale Verantwortung zu übernehmen
und eine aktive Rolle in der Außenpolitik zu spielen. Japan ist immer
noch darauf beschränkt ein wirtschaftlicher Riese zu sein, sonst aber,
im politischen Bereich, nicht als "volle" Nation, im Sinne der Übernahme
politischer Verantwortung, zu gelten. Dies erklärt sich auch daraus, daß
die US-japanischen Sicherheitsverträge, die die Stationierung von US-Truppen
auf Japan festlegen, jährlich verlängert werden und damit eine Veränderung
der Rolle Japans nicht notwendig machen. Zudem hat sich Japan selbst mit seiner
"Friedensverfassung" zu einer pazifistischen Politik verpflichtet und hat
daher keine eigenen Truppen, außerhalb deren, die zur Selbstverteidigung
dienen sollen. Auch darf nur ein Prozent des gesamten japanischen Bruttosozialproduktes
auf das Militär b.z.w. den Verteidigungshaushalt verwandt werden. Das machte
die USA zu dem stabilisierenden Faktor in der Region und damit notwendig. Japans
Vergangenheit bleibt also zunächst als Störfaktor im Verhältnis
zu China bestehen (vgl.Lit.6;S.386).
Dennoch ist sich Japan bewußt, daß japanische Interessen
künftig stärker und zuweilen auch gegen die USA definiert und durchgesetzt
werden müssen. Hierzu gehört in erster Linie eine stärkere Hinwendung
zur asiatisch-pazifischen Region, wo Japans eigentliche polititische und wirtschaftliche
Gegenwart liegt. Nur durch konsequente Einbindug und konstruktives Engagement
in der Region werden sich die tiefsitzende Furcht der asiatischen Nachbarn,
insbesondere Chinas, vor einem übermächtigen Japan und die Belastungen
aus Japans imperialer Vergangenheit überwinden lassen. Dies würde
auch gleichzeitig Japans Position gegenüber China stärken und es zu
einem Gegengewicht zu Chinas wachsendem Einfluss machen (vgl.Lit.27). Die japanische
Außenpolitik hat sich bereits darauf eingestellt, daß das Verhältnis
zu China die wichtigste außenpolitische Beziehung Japans im neuen Jahrtausend
sein wird. Neue Akzente wurden hierbei schon gesetzt, wie z.B. Japans Reaktion
auf die Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung zeigt.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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