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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische
Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges - Miriam Clados
II. Ein Überblick bis 1989
A. Berührungspunkte bis 1949
Die chinesisch-japanischen Beziehungen sind rund 2000 Jahre alt
und immer ist es ein sehr ungleiches Verhältnis gewesen. Bis über
die Mitte des 19. Jahrhunderts fühlte sich China, das Reich der Mitte,
seinem kleineren Nachbarn weit überlegen. Die Geschichte gab China dabei
recht, da das japanische Inselreich nachhaltig durch die chinesische Kultur
geprägt worden war. Erst nach der Hälfte des 19. Jahrhunderts drehte
sich das Verhältnis radikal um. Dies hängt damit zusammen, daß
Japan sich der gewaltsamen Öffnung Ostasiens durch die westlichen Mächte
nicht wiedersetzte sondern begann, sich, nach westlichen Vorbild, zu modernisieren.
China hingegen schien unfähig auf die neue Herausforderung eine passende
Antwort zu finden (vgl.Lit. 28;S.30).
Die chinesisch-japanischen Kriege 1894/95 zwangen China aus dem
Traum des Überlegenheitsgefühls endgültig aufzuwachen. In dem
demütigenden Frieden von Shimonoseki mußte China Taiwan und verschieden
kleinere Inseln an Japan abtreten. Der nachwirkende Schock von 1894/95 löste
unterschiedliche Reaktionen in der chinesischen Bevölkerung aus: Die eine
Seite verfocht die Notwendigkeit grundlegender Reformen und wollte sich Japan
zum Vorbild nehmen, während die andere Seite sich nicht mit der Niederlage
und dem Verlust der Vormachtstellung abfinden konnte. Die ambivalente Haltung
Chinas gegenüber Japan, die auch für die gegenwärtigen Beziehungen
so charakteristisch ist, hat bereits hier ihre Wurzeln.
In den nächsten Jahren erhielten die antijapanischen Stimmungen
in China ständig neue Nahrung. Als dann die ehemals deutschen kolonialherrschaftlichen
Rechte in Shandong 1919, nach dem ersten Weltkrieg, Japan zugesprochen wurden
kam es in China zu einem Ausbruch nationalen Protests, der mit dem Zwischenfall
vom 4.Mai 1919, dem Potestmarsch mehrerer tausend Studenten in Beijing seinen
Ausgang nahm. Unter studentischer Führung reagierten weite Teile der Bevölkerung
mit antijapanischen Boykott und Streikbewegungen. Der moderne Nationalismus
begann sich in eine Massenbewegung zu verwandeln, die ihre wesentlichen Impulse
aus dem Widerstand gegen den japanischen Imperialismus bezog.
Die nächste antijapanische Welle wurde durch den Mukden-Zwischenfall
ausgelöst. Als die Lage eskalierte und es am 7.Juli 1937 zu einem Zusammenstoß
zwischen chinesischen und japanischen Kampftruppen an der Marco-Polo-Brücke
kam, bedeutete dies den Anfang des großen chinesisch-japanischen Krieges
der erst im August 1945 sein Ende fand. Dabei bestetzten die Truppen Japans
weite Teile Chinas. Die Grausamkeiten der Japaner erlangten dabei eine traurige
Berühmtheit. Die Erinnerung an den Krieg ist bis heute nicht zuletzt durch
die jahrzehntelange Propaganda der Kommunistischen Partei Chinas gegen den japanischen
Imperialismus und Militarismus lebendig geblieben. Dieser Strang der geschilderten
historischen Begebenheiten hält die antijapanischen Ressentiments in der
chinesischen Bevölkerung bis heute wach (vgl. Lit 8; S.720).
Demgegenüber gab es auch immer eine andere Seite der chinesisch-japanischen
Beziehungen, die allerdings nie zur Hauptströmung wurde. Sie akzeptierte
Japan als einen Vermittler westlicher Werte und moderner Theorien und orientierten
sich an den japanischen Reformen.
Nicht vergessen werden sollten schließlich die Bindungen
zwischen Japan und China, die dadurch zustande kamen, daß Japan zahlreichen
in China verfolgten Gegnern der Qing-Dinastie bis hin zu den jungen Revolutionären
wie Sun Yatsen, Zuflucht bot. Aber nicht einmal während des Kriegs ging
die ambivalente Haltung verloren, wie sich an den vielen chinesischen Politikern
zeigt, die mit Japan zusammenarbeiteten und dafür teilweise Zuspruch in
der Bevölkerung fanden(vgl. Lit. 8;S.721).
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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