|
Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
 |
Das Verhältnis zwischen der Volksrepublik China
und der Europäischen Union - Christoph Schiffer
IV. Fazit
Das Fazit eines ehemaligen deutschen Botschafters nach der Verbesserung
der Beziehungen des Westens zu China lautete Anfang 1992 wie folgt:
"China wird seinen eigenen Weg gehen, sicherlich nicht den
der westlichen Demokratien. Das Ausland wird dabei wenig Einfluß nehmen
können - nicht zuletzt auch, weil die Außenwelt in den letzten
150 Jahren schon zuviel Macht in und über China ausübte. Aber was
der Westen tun kann, ist, seine eigenen Überzeugungen gegenüber
China deutlich zu machen. Daran hat es in letzter Zeit allzu oft gefehlt."44
Es geht aber nicht nur um die Überzeugungen des 'Westens',
sondern um eine gemeinsame Formulierung derselben. Und noch gravierender ist
wohl das Problem der EU, eine gemeinsame außenpolitische Linie zu finden,
das gilt ganz besonders für die Beziehungen zu China, will man sich nicht
in schöner Regelmäßigkeit von China gegeneinander ausspielen
lassen. Wenn nämlich die nationalen europäischen Politiken gegenüber
China von den offiziell formulierten der EU abweichen oder sogar gegenläufig
sind, dann hat China leichtes Spiel.
Man muß sich als EU auch klar darüber werden, was die
konkreten Ziele in bezug auf China sind; geht es um mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit,
um die 'Eroberung' des geradezu fantastisch groß anmutenden chinesischen
Marktes, oder um die Verbesserung der Situation der Chinesen überhaupt.
Schließlich wird 'Europa' auch darüber nachdenken müssen,
ob es angebracht ist, westliche Überzeugungen, die von einem abendländischen-christlichen
Hintergrund herrühren nach China zu exportieren. Vielleicht ist ein konstruktiver
Dialog, unterstützt von einzelnen Maßnahmen, die allerdings auch
überwacht, bzw. durch paritätisch besetzte Missionen durchgeführt
werden müssten, der richtige Ansatz.
"(...) [E]in französisch-deutsches Einvernehmen [führt]
nicht automatisch auch zu einer gemeinsamen Position der EU - zumal wenn die
üblichen innereuropäischen Konsultationsmechanismen so offenbar übergangen
werden. Einmal mehr bestätigt sich die banale Erkenntnis: Das französisch-deutsche
Gespann wird Europas Außenpolitik nur führen können, wenn es
auch die Interessen der anderen 13 EU-Partner zu integrieren vermag. (...) Die
französische Emanzipation vom chinapolitische Kurs Bonns im Sinne eines
globalstrategischen Anspruches Frankreichs bedeutet andererseits einen gefährlichen
Nukleus für einen grundsätzlichen französisch-deutschen Interessengegensatz:
Europa als vornehmlich regionaler oder zunehmend auch globaler Akteur? (...)
Mehr oberflächlichen Reibungen innerhalb europäischer
Außenpolitik wie wirtschaftlicher Konkurrenz mag mit größerer
europäischer Solidarität beizukommen sein, zumal dies als die einzige
Möglichkeit erscheint, sich etwa von China nicht gegeneinander ausspielen
zu lassen."45
Die Beziehungen zwischen China und der EU bzw. (West-)Europa sind
nach alledem gekennzeichnet von einem Auf und Ab, wobei im Hinblick auf wirtschaftliche
Verbindungen die größte Kontinuität zu erkennen ist. Aber sicher
sind auch hier Schwankungen festzustellen.
Sofern die EU eines Tages wirklich in der Lage ist, für alle
Mitgliedstaaten im Verhältnis zu Dritten (insbesondere China), einheitliche
bzw. gemeinsame Interessen zu formulieren und durchzusetzen, dann könnte
Europa tatsächlich einer der (fünf oder mehr) Pole in einer multipolaren
Weltordnung sein. Besonders die Konkurrenz zwischen den 15 (und bald 18 oder
mehr) Mitgliedstaaten auf wirtschaftlichem Gebiet wird das außerordentlich
schwer machen; Chinas taktische Manöver erleichtern dies auch nicht.
Tatsächlich müßte China sich klar darüber
werden, ob es lieber mit den europäischen 'Nationalstaaten' oder mit einem
Europa verhandeln und es dadurch gleichzeitig stärken will. Und zwar dann,
wenn China tatsächlich darauf abzielt, Europa als fünften Pol einer
neuen Weltordnung zu etablieren bzw. auf dem Weg dahin zu unterstützen.
Das bleibt abzuwarten.
Das die VR China in Zukunft eine noch zentralere Rolle in den
internationalen Beziehungen spielen wird ist ganz klar, allein die Tatsache,
das Chinas Bevölkerung gut 1/5 der Weltbevölkerung repräsentiert
spricht für sich. Ob sich der chinesische Markt allerdings so schnell und
lukrativ entwickeln wird, insbesondere für europäische Unternehmen,
wie manches Strategiepapier vermuten läßt, ist aber auch nicht sicher.
Das wird zumindest noch einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nehmen,
und so lange hätte Europa dann auch noch Zeit eine einheitlichere und stringentere
Außenpolitik für China zu entwickeln.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
|