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Das Verhältnis zwischen der Volksrepublik China und der Europäischen Union - Christoph Schiffer

  I     II     III     IV     V     VI     Inhaltsverzeichnis des Artikels

II. Die Beziehungen zwischen China und EU auf militärischer bzw. sicherheitspolitischer Ebene

"Seit dem Ende der globalen Bipolarität sind China und Westeuropa nicht mehr Teil eines strategischen Dreiecks, sondern allenfalls noch einer unter dem Dach von 'Pax Americana' in eine 'Friedenszone' und eine 'Unruhezone' zweigeteilten Welt."35

Unmittelbare sicherheitspolitische Berührungspunkte zwischen China und Europa bestehen vornehmlich in den unterschiedlichen Beziehungen zu den USA, als 'übriggebliebene' Supermacht. Als frühere Kolonialmächte in Ostasien, sind Großbritannien (GB) und Frankreich im westlichen Pazifik noch militärisch präsent. Die Mitgliedschaft GB in den sog. Five Power Defence Arrangements (FPDA) (zusammen mit Australien, Neuseelannd, Malaysia und Singapur) begründet ein Interesse an der Sicherheitslage im Südchinesischen Meer.

Frankreich, GB und Deutschland führen sicherheitspolitische Dialoge mit Japan und China, die u. a. militärische Kontakte gefördert haben. Außerdem ist der europäische Anteil an den Rüstungsimporten in Ostasien von weniger als 10% auf über 20% gestiegen.36 Der Verkauf von Waffentechnik zieht oft Ausbildungsmaßnahmen und Anschlußverkäufe nach sich, ist also ein nicht unwesentlicher Wirtschaftsfaktor.

Nach den blutigen Ereignissen in Peking 1989 besteht aber für die EU-Mitgliedsstaaten (EU-MS) auch heute noch ein - allerdings nur freiwilliges - Embargo für Rüstungsexporte nach China. Freiwillig deshalb, weil es keine bindende gesetzliche bzw. europarechtliche Verpflichtung für das Rüstungsgüter-Embargo gibt.

Nach dem offiziellen Besuch Bundeskanzler Kohls 1995 bei einer Einheit der Volksbefreiungsarmee und des französischen Verteidigungsminister Millon 1997 in China wird innerhalb der EU über eine Aufhebung dieses noch bestehenden Embargos beraten.

Ein anderer Aspekt in bezug auf Rüstungsexporte sind sog. 'dual use'-Güter, also solche Industrieprodukte, die sowohl zivil, als auch militärisch genutzt werden können. Solange diese Möglichkeit verbleibt, ist die vollständige Aufhebung des 'Embargos' gar nicht von so großer Bedeutung.

Die Aktivitäten der EU und ihrer Mitgliedstaaten in der Region Süd- und Südost-Asien sind vielfältig. Im internationalen, multilateralen Kontext sind EU-Mitgliedsstaatn unter anderem beteiligt an friedenserhaltenden und -erzwingenden Maßnahmen der VN (Kambodscha 1992/93, seit 1999 auch in Osttimor). Außerdem ist die EU und einige Mitgliedstaaten in Nordkorea an der Korean Peninsula Energy Development Organization (KEDO) beteiligt, die die Implementierung des Genfer Abkommens von 1994 über die Beendigung des nordkoreanischen Plutoniumprogramms fördert.

Die EU ist weiter Mitglied des ASEAN Regional Forum (ARF); dieses Forum soll latente und offene Konflikte im westlichen Pazifik durch Präventivdiplomatie und Vertrauensbildung vermeiden bzw. lösen helfen. Auch hier sind sich die EU-Mitgliedsstaaten nicht einig, deshalb versuchen GB und Frankreich eigene Sitze im ARF zu bekommen.

Die NATO war für China zunächst ein gegnerisches Militärbündnis, nach 1978 wurde das Verhältnis aber besser. Die europäischen NATO-Staaten erörterten auch einen Ausbau der militärischen Zusammenarbeit mit China, mußten aber Rücksicht auf sowjetische Befindlichkeiten nehmen. Nach kurzfristiger Annäherung Chinas an einige EU-Mitglieder 1982/83, gab es sogar nachrichtendienstliche Zusammenarbeit. In den 80er Jahren begann China sogar wohlwollend von der NATO zu sprechen und schickte einige Waffenkäufer-Missionen nach Europa, konnte sich aber wohl wegen der Preise und mit Rücksicht auf die UdSSR keine westlichen Waffen kaufen.37

Mitte der 90er Jahre gab es erneut Versuche der NATO China irgendwie einzubinden, aber mit dem 'Partnership for Peace' Pogramm und der neuen NATO-Doktrin vom April 1999 - und unter den Vorzeichen des Kosovo-Einsatzes - wurde China unruhig. Problematisch ist für China weiterhin ein Eingreifen in innere Angelegenheiten, ganz besonders wegen möglicher Konflikte um Taiwan, in Tibet oder Sianking.

Die Beziehungen Chinas zu Frankreich durchliefen nach 1992 schwierige Zeiten, nachdem Paris Waffenverkäufen an Taiwan zugestimmt hatte (sechs Fregatten und 60 Kampfflugzeuge). Frankreich mußte daraufhin sein Generalkonsulat in Kanton schließen und hatte Einbußen auf dem chinesischen Markt zu beklagen. Erst 1994 kam es zwischen beiden Ländern zur Normalisierung, als der französische Premierminister E. Balladur zusagte, keine solchen Verkäufe mehr an Taiwan zu tätigen, außerdem betonte er die Prinzipien der Nichteinmischung und der chinesischen Einheit ('Ein-China-Prinzip').

 
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