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Das Verhältnis zwischen der Volksrepublik China und der Europäischen Union> - Christoph Schiffer

  I     II     III     IV     V     VI     Inhaltsverzeichnis des Artikels

I. Die Beziehungen der VR China und der Europäischen Union auf politischer Ebene

3. Die Ereignisse auf dem Tiananmen-Platz 1989 und die Entwicklung danach

Eigentlich hätte es China außenpolitisch im Sommer 1989 nicht besser gehen können, allerdings sah sich China zwischen Ende 1988 und Juni 1989 mit einem Außenhandelsdefizit von 5,4 Millionen US-$ konfrontiert, das unter anderem zu einer hohen Inflation beitrug.

Die Reaktion der chinesischen Führung auf eine friedliche Versammlung von Studenten und anderen Sympathisanten, die auf dem Tiananmen-Platz in Peking für Demokratie demonstrierten und den Tod des Reformers und ehemaligen Jugendfunktionärs Hu Yaobang beklagten, fügte Chinas Ansehen in der Welt großen Schaden zu.

Zwischen dem 3. und 4. Juni 1989 gingen Einheiten der chinesischen Volksbefreiungsarmee mit Gewalt und Panzern gegen einige tausend Demonstranten vor. Einige hundert, nach Berechnungen von 'amnesty international' sogar mehr als tausend Menschen vielen diesem Gewaltakt zum Opfer.13

Die Reaktion v. a. des Westens war sehr drastisch. Die EG fror auf der Stelle sämtliche Beziehungen zu China ein und sprach Sanktionen gegen China aus. "Von einem Tag auf den anderen war das zuvor wegen seiner Öffnungs- und Modernisierungspolitik bewunderte China in die Isolation geraten."14

China mußte als erstes seine Politik überdenken, aber ein Ende der Öffnungspolitik und eine Rückkehr zur Abgrenzung gegenüber dem Westen hätte verheerende Folgen für die weitere Entwicklung der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft gehabt.15 China hatte wohl den Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und die Entwicklung in der UdSSR unter Michail Gorbatschow vor Augen und fürchtete Parallelen, bzw. wollte eine ähnliche Entwicklung auf jeden Fall verhindern. Ein innerer Kollaps Chinas konnte verhindert werden, aber außenpolitisch rächte sich dies Verhalten.

"(...) Mitte April 1990[, auf einer Tagung des Politbüros des Zentralkomitees, legte man] die außenpolitische Grundrichtung insgesamt fest. Danach sollte dem Westen gegenüber eine Politik der Aufsplittung betreiben werden. Während die feste Haltung gegenüber Washington beibehalten werden sollte, sollte das Verhältnis zu Tokio ausgebaut werden - offenbar in der Absicht, das sich in der gegen Kritik an China eher zurückhaltende Japan gegen die USA und Westeuropa, deren Kritik besonders heftig ausgefallen war, auszuspielen."16

Die Rückkehr Chinas auf die Weltbühne nach dem Tiananmen-Massaker konnte deshalb so relativ lautlos und schnell geschehen, da China sich kooperativ in den Institutionen der VN, und hier besonders im Sicherheitsrat zeigte. Trotz Chinas Präferenz für die Souveränität der Staaten stimmte der chinesische Vertreter im Sicherheitsrat für die entsprechenden Resolutionen gegen den Irak, und das, obwohl China zu den wichtigsten Waffenlieferanten Iraks gehörte. China ließ sogar Resolution 678 durch Stimmenthaltung passieren, so daß die USA, GB und Frankreich später Kuwait befreien und den Irak mit allen erforderlichen Mitteln zur Einhaltung der bereits beschlossenen Resolutionen zwingen konnten.

"[Damit hatte die] chinesische Führung einerseits die Möglichkeit, China vor der Weltöffentlichkeit als zugleich friedliebende wie verantwortungsbewußte Macht darzustellen, und es bot ihr andererseits die Chance, sich die USA durch Wohlverhalten im Sicherheitsrat zu verpflichten und so die westlichen Industriestaaten zur Aufhebung ihrer Sanktions- und Isolierungspolitik gegen China zu veranlassen."17

Schon sehr bald wurde Peking von den Staaten Westeuropas wieder rehabilitiert. Bereits am 22. Oktober 1990 beschlossen die EG-Außenminister die Normalisierung der Beziehungen zu China und die Aufhebung der Sanktionen. Daraufhin folgte der erste Besuch einer chinesischen Handelsdelegation in Spanien und der spanische Außenminister reiste nach Peking (im November 1990), wo er vom Staatspräsidenten und vom Premierminister empfangen wurde. Im Februar 1991 besuchte dann der chinesische Außenminister Qian Qichen Portugal, Spanien und Griechenland. Die EG-Mitgliedstaaten waren sich ziemlich einig, was die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen anging:

Im Oktober 1990 wurden von Deutschland die sog. Hermes-Bürgschaften für Exportgeschäfte wieder angewandt, im Dezember 1990 bewilligte Frankreich öffentliche Kredite in Höhe von 1,3 Mrd. Francs für den Bau eines Automobilwerkes in China, im April 1991 stattete der britische Außenminister Douglas Hurd China einen Besuch ab, und das tat auch der italienische Außenminister de Michelis im Mai 1991.18

Am 24. September 1996 trafen der deutsche Außenminister, Klaus Kinkel, und der chinesische Außenminister, Qian Qichen, am Rande der Generalversammlung der VN zusammen. Dort wurde vereinbart, die bilateralen Beziehungen fortan auf gegenseitigen Respekt, die Suche nach Gemeinsamkeiten, Nichteinmischung und gegenseitigem Nutzen zu gründen.

Kinkel bekräftigte das sog. 'ein-China-Prinzip' (Taiwan und China als ein Land mit zwei Systemen), die Anerkennung der Souveränität der VR China über Tibet und bezeichnete die Tibetfrage als innere Angelegenheit Chinas. Dem vorausgegangen war die Tibet-Konferenz der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung mit sehr deutlichen Reaktionen auf Seiten Chinas - u. a. die Schließung des Büros der Stiftung in Peking, und der Androhung negativer wirtschaftlicher Konsequenzen für Deutschland.

Auch Frankreich hatte Nachteile zu beklagen, nachdem 1992 der Verkauf von Fregatten und Kampfflugzeugen an Taiwan genehmigt wurde. Nach dem Besuch von Premier Balladur in Peking 1994 und der Zusage Frankreichs, weitere Verkäufe dieser Art zu unterlassen, verbesserten sich die Beziehungen zwischen Frankreich und China zusehends.

Auch zwischen Großbritannien und China gab es Verstimmungen in diesem Zeitraum wegen der Reformen in Hongkong durch den britischen Gouverneur C. Patten. (s. dazu gleich I.6.)

 
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