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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Das Verhältnis zwischen der Volksrepublik China
und der Europäischen Union - Christoph Schiffer
I. Die Beziehungen der VR China und der Europäischen Union
auf politischer Ebene
A. Einleitung
Da es die Europäische Union (EU) offiziell erst seit der
Ratifizierung des Vertrags von Maastricht durch alle Mitgliedstaaten
der vormals Europäischen Gemeinschaft (EG) gibt, die Beziehungen zwischen
EG und ihrer Mitgliedstaaten aber bereits vor dem 1. November 1993 mit der Volksrepublik
China (China) bestanden, werde ich in diesem Beitrag die Beziehungen Westeuropas
mit China ab dem Ende der Kulturrevolution mit dem 9. Parteitag der Kommunistischen
Partei Chinas (KPCh) am 1. April 1969 intensiver betrachten.
Noch während der Kulturrevolution beherrschte China und dessen
Führungskader eine eher ideologisch geprägte (strikt im Marxismus-Leninismus
beheimatete) Sicht der Dinge.
Die damals propagierte offizielle Interpretation der internationalen
Beziehungen spiegelte sich im generellen Klassenkampf zwischen revolutionären
und reaktionären Völkern wieder, bzw. zwischen sozialistischem und
kapitalistischem Lagern.1
Aus Angst vor einer militärischen Konfrontation mit der Sowjetunion,
aber wohl auch um einer Allianz beider Supermächte gegen China zu begegnen,
vollzog die chinesische Führung damals ihre Öffnung gegenüber
dem Westen.2
Eine gemeinsame, konstante außenpolitische Linie der EU
gegenüber China festzustellen ist auch heute noch schwierig, daher werde
ich hier - zumindest exemplarisch - auch auf das konkrete Verhalten einiger
Mitgliedstaaten der EG/EU in ihren Beziehungen zu China eingehen.
Trotz der Einrichtung eines eigenen Organs, des sog. 'Mister GASP',
das den Rat der EU in Angelegenheiten der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
unterstützen soll (indem er zur Formulierung, Vorbereitung und Durchführung
politischer Entscheidungen beiträgt und gegebenenfalls den politische Dialog
mit Dritten führt3 ),
ist es für die Mitgliedsstaaten der EU immer noch schwierig sich auf eine
gemeinsame Außenpolitik zu einigen. Das gilt natürlich auch für
die Beziehungen zu China.
"(...) China [hatte] bereits 1993 die Nachwehen des Maastricht-Prozesses
registriert. Und als die Europäische Gemeinschaft während der Anfangsphase
des Konflikts auf dem Balkan einen bedenklichen Mangel an Geschlossenheit
demonstrierte, mußten die wichtigeren Teilstaaten aus chinesischer
Sicht als vielversprechendere Partner auf dem Weg zur Multipolarität
erscheinen als Maastricht-Europa selbst.
In den zwischenstaatlichen Beziehungen kam es weiter zu Irritationen
über Rüstungsexporte nach Taiwan, aber hier fiel es relativ leicht,
einen europäischen Staat gegen den anderen auszuspielen."4
Zunächst werde ich zur besseren Orientierung einen kurzen
historischen Überblick über die Entwicklung der Beziehungen zwischen
China und Westeuropa geben. Beginnen wird dieser Überblick mit der Verschlechterung
der Beziehungen Chinas zur UdSSR etwa seit dem Ende der 50er Jahre, denn danach
änderte sich Chinas ‚Abschottungs‘-Politik gegenüber den westeuropäischen
Staaten.
Die Grundsätze und Leitlinien der chinesischen Außenpolitik
generell und die Strategie der EU in bezug auf China werden erst danach erläutert
und in den Kontext gesetzt.
Abschließend werde ich kurz auf die Beziehungen zwischen
China und Westeuropa bezüglich der Sicherheitspolitik, des Militärs
und der Wirtschaft eingehen.
Da es sowohl für Großbritannien als auch für China
von Bedeutung ist, werde ich hier auch kurz die ehemaligen Kolonialgebiete Hongkong
und Macao ansprechen.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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