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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die sino-russischen Beziehungen nach dem Ende des Kalten
Krieges - Christina Wegener
V. Allianz, strategisches Bündnis oder unüberbrückbare
Differenzen?
Zusammenfassend ist zu sagen, daß die Partnerschaft zwischen China und
Rußland wesentliche Fortschritte gemacht hat, sie ist aber noch weit davon
entfernt eine wirkliche Achse zu sein. Verantwortlich dafür sind die geopolitischen
und geostrategischen Differenzen, die noch immer fast alle langfristigen Fragen
dominieren. Ob ein anti-westliches Bündnis zwischen China und Rußland
zustande kommen könnte, ist auch wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeiten
beider Staaten vom Westen sehr fraglich.
Sowohl China44
als auch Moskau räumen einem gesunden Verhältnis zu den USA außenpolitische
Priorität ein, was die reale Grenze des chinesischen Werbens um Rußland
als Partner darstellt. Eine Intensivierung der Beziehung ist dennoch wahrscheinlich,
zumal die Isolierung Rußlands auf Grund seiner Härte gegenüber
den nicht-russischen Republiken (z.B. Tschetschenien) die Föderation "in
Chinas Arme treibt". Dies zeigt sich deutlich an Jelzins erwähnten
letzen China-Besuchs im Dezember 1999.
Die Vorteile aus der Kooperation scheinen für China größer
zu sein als für Rußland, was an dem längerfristigen Kalkül
der chinesischen Regierung liegen mag. In jedem Fall ist die Russische Föderation
abhängiger von seinem Partner als dieser von ihm. So sind die meisten Verträge
bzw. Kommuniqués deutlich von der chinesischen Handschrift geprägt.
Die Volksrepublik gibt dem Außenstehenden Anlaß zu der Annahme,
sie benutze den Nachbarn für ihre Zwecke. Dies zeigt sich unter anderen
an der erwähnten Furcht, die USA zu sehr zu provozieren. Auch das chinesische
Interesse an einem Zugang zum amerikanischen Markt läßt sich nicht
leugnen.
Aus dem gesagten geht hervor, daß China sich in der Rußlandfrage
in einem Zwiespalt sieht: Einerseits braucht es ein starkes Rußland, andererseits
fürchtet es die Wiedererstarkung des Nachbarn. So lautet Chinas offizielle
Politik gegenüber der Russischen Föderation bis heute: Weder Konfrontation
noch Allianz45 .
Trotz allem haben beide Staaten triftige Gründe, die Kooperation nicht
in die Brüche gehen zu lassen: Rußland braucht China als ausgleichende
Macht, um seinen Großmachtstatus wiederzuerlangen. China ist auf die russische
Unterstützung angewiesen, um sich größeren internationalen Handlungsspielraum
zu verschaffen. Allein bleiben zu viele grundsätzliche Hindernisse bestehen,
als daß mit der tatsächlichen Entwicklung eines anti-westlichen sino-russischen
strategischen Bündnisses gerechnet werden könne.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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