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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die sino-russischen Beziehungen nach dem Ende des Kalten
Krieges - Christina Wegener
III. Argumente für die Kooperation
B. aus der Sicht der Russischen Föderation
Die russische Föderation ist im Moment - und war in den letzten
Jahren - in erster Linie darauf bedacht, innenpolitische Stabilität wiederherzustellen
und wirtschaftlichen Krisen aus dem Weg zu gehen. Weder hat es die militärische
Macht noch den Willen zu einer Expansion in Ostasien29 .
Generell ist festzustellen, daß Moskaus Politik gegenüber
Beijing weit weniger konzeptionell gestaltet ist, teilweise erscheint sie sogar
unberechenbar. Es sind häufig kurzfristige Motivationen (z.B. finanzielle
Gewinne aus Waffenexporten), die das Land von der Vorteilhaftigkeit einer sino-russischen
Beziehung überzeugen.
Führende Persönlichkeiten im Kreml erklären, daß
der hohe Stand und der vielschichtige Charakter der russisch-chinesischen Beziehungen
ein wichtiger Faktor der Festigung von Frieden und Stabilität nicht nur
in der asiatisch-pazifischen Region, sondern auf der ganzen Welt seien30 .
Die russischen Motive sind in erster Linie finanzieller Natur:
Im Gegensatz zu der relativ kleinen Summe, als die der Handel mit Rußland
in der chinesischen Außenbilanz auftaucht, ist Chinas Platz in Rußlands
Handel weit signifikanter. Seit der Machtübernahme Gorbatschows ist China
- 1985 noch an 17. Stelle - Mitte der Neunziger zum zweitgrößten
Handelspartner der Föderation geworden. Auch die Waffenexporte an China
brachten finanzielle Vorteile. Seit 1990 sind die Verkäufe enorm gestiegen.
Die Volksrepublik ist mit Waffenkäufen im Wert von 1,8 Mrd. US $ jährlich
Rußlands größter Abnehmer. Zusätzlich sieht Moskau im
ausgedehnten Waffenhandel einen Schritt auf dem Weg zu einem strategischen Bündnis.
Insbesondere in Hinblick auf die dadurch zu erreichende Stabilisierung Zentralasiens
würde Rußland so im doppelten Sinne von dem Geschäft profitieren.
Die Möglichkeiten des chinesischen Markts bieten Rußland
weitere Chancen. Um nur ein Beispiel zu nennen, beteiligt sich das Verteidigungsministerium
der Russischen Föderation an Air China-96 (einem internationalen Luft-
und Raumfahrtsalon), und laut einer Prognose31
wird China in den nächsten 20 Jahren 1270 Zivilflugzeuge benötigen
(1997 waren es 438). Ein weiteres Projekt vor diesem Hintergrund ist die Zusammenarbeit
in der Raumfahrt bis 2005.
Aber die russischen Motive lassen sich nicht ausschließlich
auf wirtschaftliche Aspekte reduzieren. Die Russische Föderation teilt
den chinesischen Wunsch, den böswilligen Kräften des Westens einen
Riegel vorzuschieben. Insbesondere sollen die Bestrebungen der USA (in den Augen
Rußlands zielen diese "auf die ungeteilte Weltführerschaft gestützt
auf ihre NATO-Führerschaft ab"32 )
gebremst werden. Rußland sieht die Volksrepublik hierin als geeigneten
Verbündeten. Rußlands Skepsis gegenüber der NATO-Osterweiterung33
verstärken diesen Wunsch. Russische Autoren34
beschreiben den Untergang der Sowjetunion als gezielte Aktion des Westens. Die
logische Folge aus dieser Auffassung ist die Forderung nach konsequenter Umorientierung
nach Osten und nach Zusammenarbeit mit China. Im Übrigen wird von dieser
Seite betont, daß das gemeinsame historische Schicksal (den G735
gegenüber zu stehen) die nationalstaatlichen Interessen der beiden Länder
zwangsläufig aneinander annähert.
Als verläßlichen Faktor für die Zusammenarbeit
kann Beijing großes Potential für die Partnerschaft zur Eindämmung
der westlichen Vormachtstellung in Rußlands Unzufriedenheit mit dem Mangel
an Respekt im Westen gegenüber Rußland als Großmacht sowie
in dem Kremlwunsch nach Aufrechterhaltung der Großmachtstellung sehen.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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