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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Kooperation oder Antagonismus? - Nicolas Kredel
Die sino-amerikanischen Beziehungen nach dem Kalten Krieg und
die langfristigen chinesischen Interessen der VR China gegenüber den USA
III. Anstelle einer Conclusio: Indizienauswertung – Chinas
zukünftige Interessenpolitik
Die zahlreichen diesbezüglichen Äußerungen chinesischer
Politiker im Zuge der sino-amerikanischen Kontroversen und die aufgezeigte Einstellung
der chinesischen Öffentlichkeit beweisen: Die Volksrepublik China strebt
nach Anerkennung als politische, wirtschaftliche und kulturelle Weltmacht. Zwar
ist dieser Weltmachtstatus noch nicht erreicht, jedoch ist Multipolarität
der Weltordnung ein Fernziel der chinesischen Führung.
Die Bestandsaufnahme der sino-amerikanischen politischen Beziehungen
des letzten Jahrzehnts ließ ein grundlegendes Problem der chinesischen
Politik gegenüber den USA erkennen, das eine Prognose bezüglich der
langfristigen Interessen erschwert: Die Politik der VRC ist eher reaktiver als
initiatorischer Natur. Somit ist sie sehr stark von der künftigen U.S.
Politik gegenüber China abhängig. Eine Entscheidung der post-Clinton
Administration für eine Containment-Strategie würde zumindest
auf der Ebene der regionalen Sicherheitspolitik vermutlich zu ernsten Konfrontationen
führen. Wird jedoch die Engagement-Politik Präsident Clintons
gegen den Widerstand der starken inneramerikanischen Opposition weitergeführt,
so bleibt den Chinesen mehr Raum, Kompromisse zu schließen und dabei das
Gesicht zu wahren.
Es kann als verhältnismäßig sicher angenommen
werden, daß China auf dem wirtschaftlichen Sektor auf die USA angewiesen
ist und sich auch dementsprechend verhalten wird: das chinesische Nahziel ist
die Fortführung der wirtschaftlichen Entwicklung. Ein gutes Verhältnis
zu den USA ist somit ein Basiselement der chinesischen Politik. Noch
wird der Führungsanspruch der USA auf der weltpolitischen Bühne nicht
wirklich in Frage gestellt.
In Fragen der Menschenrechtspolitik und der regionalen Vorherrschaft
im asiatisch-pazifischen Raum jedoch zeigt die VRC ein härteres Gesicht,
sobald sie eine Einmischung in ihren legitimen Herrschaftsbereich wittert. Hier
beginnt bereits die Umsetzung des chinesischen Fernziels, der Idee der Multipolarität,
in reale Politik. Langfristig wird die VRC versuchen, ihre regionale Einflußzone
auf friedliche Weise von den Truppen der USA zu befreien und selbst als Ordnungsmacht
dort aufzutreten. Auch der demonstrative Schulterschluß Jiang Zemins mit
Boris Jelzin in der Tschetschenien-Frage auf dem russisch-chinesischen Gipfel
im Dezember 1999 zielte in diese Richtung.
Auf multilateraler Ebene wird die VRC die in der HRC begonnene
erfolgreiche Arbeit gegen die "kulturelle Vorherrschaft" der USA vertiefen.
Es ist wahrscheinlich, daß China künftig auch andere internationale
Gremien nutzen wird, um die Weltordnung zu multipolarisieren.
Dennoch ist nicht zu erwarten, daß die VRC auf einen generellen
Konfrontationskurs gegen die USA einschwenkt; zu wichtig sind die wirtschaftliche
Entwicklung für die Stabilität im Lande, die auch das Überleben
der CCP sichert.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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