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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Rückkehr des "Großen Drachen":
Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien? - Elisabeth
Brandstetter
VI. Fazit
Die Ausgangsfrage, inwieweit die "China Threat"-These
durch Chinas Verhalten im asiatischen Raum bestätigt werden kann, ob also
der "Große Drache" zurückgekehrt ist und wirklich eine
"Gelbe Gefahr" droht, oder ob Chinas Politik im asiatisch-pazifischen
Raum lediglich die "natürliche Konsequenz einer aufstrebenden Macht"
ist, ist abschließend wohl eher zu Ungunsten der ersten These zu beantworten:
Tendenzen, dass China hegemoniale Ambitionen hegt und eine Vormachtrolle
in Form territorialer Expansion vorantreibt können nur am Rande festgestellt
werden. Der Jahrzehnte währende Disput mit China über den Grenzverlauf
zwischen beiden Ländern ist im Wesentlichen entschärft worden. Beide
Staaten bemühen sich, durch den Aufbau vertrauensbildender Maßnahmen
zu einer Lösung zu kommen und ihren Konflikt beizulegen. Die Territorialfragen
im Südchinesischen Meer sind dagegen schon wesentlich delikater: In dieser
Streitfragen, deren positiver Ausgang für China zum strategischen Hauptziel
erklärt wurde, geht Peking wesentlich kompromissloser vor und lässt
auf Grund von militärischer Aufrüstung Bedenken bei seinen Nachbarn
entstehen.
Zieht man allerdings die politischen Hauptziele Chinas in der
asiatischen Region in Betracht, können auch diese Bedenken relativiert
werden: Ein Hauptinteresse Chinas ist es, den amerikanischen und japanischen
Einfluss in Asien maßgeblich zurückzudrängen, da China angesichts
der stetigen Kritik an der Menschenrechtssituation die Gefahr einer "Verwestlichung"
des asiatischen Wertesystems sieht, was sämtliche asiatische Staaten teilen.
Langfristig möchte China selbst das Machtvakuum füllen, indem es die
Position als zentrale Regionalkraft wahrgenommen und respektiert wird und Einfluss
geltend machen kann. Dass dies nicht im Sinne der "China-Threat"-These
zu verstehen ist, zeigt die Tatsache, dass es Chinas oberste Priorität
ist, wirtschaftliches Wachstum zu fördern und deswegen auf einen regen
Handel und somit auch auf gute Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten angewiesen
ist. Gerade die chinesische Doktrin, durch wirtschaftliche Erfolge innenpolitische
Stabilität zu erreichen und das Staatssystem zu legitimieren, dient den
anderen Staaten Asiens als "Versicherung" für das vorrangige
Interesse Chinas, Stabilität in Asien zu schaffen und gute Beziehungen
zu den asiatischen Staaten aufzubauen. Hegemonialansprüche und territorale
Expansion würde die gegenwärtige chinesische Doktrin dagegen vollkommen
in Frage stellen.
Voraussetzung für die Gültigkeit der gegenwärtigen
chinesischen Doktrin ist jedoch ein kontinuierlicher wirtschaftlicher Aufschwung
Chinas. Ist ein wirtschaftlicher Erfolg der chinesischen Wirtschaft nicht mehr
gegeben, so fällt der wichtigste Legitimationspfeiler für das kommunistische
Regime weg. Die einzige Möglichkeit, dem System dann noch Legitimation
zu verleihen, ist das Forcieren nationaler chinesischer Werte. Ein übersteigerter
chinesischer Nationalismus jedoch bildet für die Anrainerstaaten Chinas
und den gesamten asiatischen Raum eine enorme Gefahr, da dann davon auszugehen
ist, dass Pekings Politik expansionistische Züge annehmen wird, was angesichts
der zahlreichen ungeklärten Territorialstreitigkeiten besonders brisant
ist.
Solange China also politische Stabilität durch wirtschaftlichen
Aufschwung erreichen kann, ist die "China threat"-These unbegründet,
da Expansionismus kontraproduktiv wäre. Sobald die Legitimation des Systems
jedoch nicht mehr durch wirtschaftlichen Aufschwung gewährleistet werden
kann, steigt die Gefahr eines chinesischen Nationalismus, der leicht zu einer
realen Bedrohung für die asiatische Region werden kann.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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