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Die Rückkehr des "Großen Drachen": Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien?
- Elisabeth Brandstetter

  I     II     III     IV     V     VI     VII     Inhaltsverzeichnis des Artikels

VI. Fazit

Die Ausgangsfrage, inwieweit die "China Threat"-These durch Chinas Verhalten im asiatischen Raum bestätigt werden kann, ob also der "Große Drache" zurückgekehrt ist und wirklich eine "Gelbe Gefahr" droht, oder ob Chinas Politik im asiatisch-pazifischen Raum lediglich die "natürliche Konsequenz einer aufstrebenden Macht" ist, ist abschließend wohl eher zu Ungunsten der ersten These zu beantworten:

Tendenzen, dass China hegemoniale Ambitionen hegt und eine Vormachtrolle in Form territorialer Expansion vorantreibt können nur am Rande festgestellt werden. Der Jahrzehnte währende Disput mit China über den Grenzverlauf zwischen beiden Ländern ist im Wesentlichen entschärft worden. Beide Staaten bemühen sich, durch den Aufbau vertrauensbildender Maßnahmen zu einer Lösung zu kommen und ihren Konflikt beizulegen. Die Territorialfragen im Südchinesischen Meer sind dagegen schon wesentlich delikater: In dieser Streitfragen, deren positiver Ausgang für China zum strategischen Hauptziel erklärt wurde, geht Peking wesentlich kompromissloser vor und lässt auf Grund von militärischer Aufrüstung Bedenken bei seinen Nachbarn entstehen.

Zieht man allerdings die politischen Hauptziele Chinas in der asiatischen Region in Betracht, können auch diese Bedenken relativiert werden: Ein Hauptinteresse Chinas ist es, den amerikanischen und japanischen Einfluss in Asien maßgeblich zurückzudrängen, da China angesichts der stetigen Kritik an der Menschenrechtssituation die Gefahr einer "Verwestlichung" des asiatischen Wertesystems sieht, was sämtliche asiatische Staaten teilen. Langfristig möchte China selbst das Machtvakuum füllen, indem es die Position als zentrale Regionalkraft wahrgenommen und respektiert wird und Einfluss geltend machen kann. Dass dies nicht im Sinne der "China-Threat"-These zu verstehen ist, zeigt die Tatsache, dass es Chinas oberste Priorität ist, wirtschaftliches Wachstum zu fördern und deswegen auf einen regen Handel und somit auch auf gute Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten angewiesen ist. Gerade die chinesische Doktrin, durch wirtschaftliche Erfolge innenpolitische Stabilität zu erreichen und das Staatssystem zu legitimieren, dient den anderen Staaten Asiens als "Versicherung" für das vorrangige Interesse Chinas, Stabilität in Asien zu schaffen und gute Beziehungen zu den asiatischen Staaten aufzubauen. Hegemonialansprüche und territorale Expansion würde die gegenwärtige chinesische Doktrin dagegen vollkommen in Frage stellen.

Voraussetzung für die Gültigkeit der gegenwärtigen chinesischen Doktrin ist jedoch ein kontinuierlicher wirtschaftlicher Aufschwung Chinas. Ist ein wirtschaftlicher Erfolg der chinesischen Wirtschaft nicht mehr gegeben, so fällt der wichtigste Legitimationspfeiler für das kommunistische Regime weg. Die einzige Möglichkeit, dem System dann noch Legitimation zu verleihen, ist das Forcieren nationaler chinesischer Werte. Ein übersteigerter chinesischer Nationalismus jedoch bildet für die Anrainerstaaten Chinas und den gesamten asiatischen Raum eine enorme Gefahr, da dann davon auszugehen ist, dass Pekings Politik expansionistische Züge annehmen wird, was angesichts der zahlreichen ungeklärten Territorialstreitigkeiten besonders brisant ist.

Solange China also politische Stabilität durch wirtschaftlichen Aufschwung erreichen kann, ist die "China threat"-These unbegründet, da Expansionismus kontraproduktiv wäre. Sobald die Legitimation des Systems jedoch nicht mehr durch wirtschaftlichen Aufschwung gewährleistet werden kann, steigt die Gefahr eines chinesischen Nationalismus, der leicht zu einer realen Bedrohung für die asiatische Region werden kann.

 

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