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Die Rückkehr des "Großen Drachen": Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien?
- Elisabeth Brandstetter

  I     II     III     IV     V     VI     VII     Inhaltsverzeichnis des Artikels

V. China und sein Verhältnis zur koreanischen Halbinsel

C. Chinas Verhältnis zur Republik Korea

Sehr viel problemloser und den Umständen entsprechend transparenter haben sich die Beziehungen zwischen China und der Republik Korea entwickelt. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen am 24. August 1992 kam ziemlich überraschend, handelte es sich doch praktisch um den Verrat von Pekings sozialistischem Verbündeten Nordkorea78, folgte aber letztlich der Dynamik eines Entspannungsprozesses, der 1983 etwa zeitgleich mit ersten Normalisierungsschritten im Verhältnis zwischen Peking und Moskau eingesetzt hatte. Darüber hinaus entsprach sie Pekings Interesse an engeren Beziehungen zu asiatischen Schwellenländern zu einer Zeit, als die USA mit Vergeltungsmaßnahmen für Chinas Handelspraktiken und Menschenrechtsverletzungen drohten.79 China hatte die diplomatische Anerkennung Südkoreas zehn Jahre lang von der Aufnahme von Beziehungen zwischen Washington bzw. Tokio und Pjöngjang gemacht. Diese Haltung wurde letztlich wegen der 1989 beginnenden zügigen Normalisierung der Beziehungen zwischen Moskau und Seoul und der nordkoreanischen Nuklearblockade aufgegeben. 1993 wurde sogar ein sicherheitspolitischer Dialog zwischen China und Südkorea geführt, in dessen Rahmen eine "stille Diplomatie gegenüber dem Norden gefordert wurde.80

Im Januar 1991 akzeptierte China Südkoreas Wunsch, in die UNO aufgenommen zu werden, indem es sich gegenüber Nordkorea weigerte, den Antrag aus Seoul durch Veto im Sicherheitsrat zu Fall zu bringen.81

Allerdings verbleiben auch einige ungeklärte Streitpunkte zwischen Peking und Seoul, die immer wieder für Spannungen sorgen: Zum einen sieht Südkorea in China auch den übermächtigen Nachbarn, vor dem man gemäß der "China threat"-These nicht vorsichtig genug sein kann, zum anderen gibt es auch konkrete Streitigkeiten über die Nutzungsrechte des Gelben Meers, das von Chinas Ost- und Koreas Westküste umgeben ist.

Trotzdem überwiegt wohl auf beiden Seiten die Bereitschaft zu guten Beziehungen, was vor allem auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen ist.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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