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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Rückkehr des "Großen Drachen":
Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien? - Elisabeth
Brandstetter
V. China und sein Verhältnis zur koreanischen Halbinsel
B. Chinas Beziehungen zur Demokratischen Volksrepublik Korea
Der größte Wert, den die Demokratische Volksrepublik
Korea (DVRK) für China hatte, war der eines Pufferstaates zwischen dem
westlich orientierten Südkorea und dem kommunistischen China. Die Bedeutung
dieser Rolle wurde jedoch seit der Öffnung Chinas hin zum Westen und seit
dem Ende des Kalten Krieges immer geringer.
Prinzipiell waren die Beziehungen zwischen Nordkorea und China
immer schwierig, was auch daran nichts änderte, dass beide Länder
durch ihre kommunistische Ideologie und der Intervention Chinas während
des Korea-Kriegs zur Rettung der Regierung Kim Il Sungs eigentlich eng miteinander
verbunden sind.71
Dies liegt vor allem daran, dass sich die DVRK ihre Unabhängigkeit ähnlich
wie Vietnam durch geschicktes Taktieren während der sino-sowjetischen Spannungen
weitgehend bewahrte, da sie sich "entsprechend der Angebotslage zur einen
oder anderen Seite neigte."72
Darüber hinaus gibt es auch immense ideologische Differenzen
zwischen den beiden Staaten: Peking hatte sich seit Mitte des Jahrzehnts mit
minimalem Erfolg darum bemüht, das Nachbarland für die eigene Kombination
aus wirtschaftlicher Öffnung und politischer Abschottung zu gewinnen. In
Nordkorea galt dies als Verrat am Marxismus/Leninismus, und man zog es vor,
sich weiter auf die eigene Kraft zu verlassen. Chinas Reformer um Deng Xiaoping
hatten ihrerseits Probleme mit der dynastischen Nachfolgeregelung des Präsidenten
der DRVK, Kim Il Sung, der seinen Sohn Kim Jong Il zum Staats- und Parteichef
ernannt hatte.73
Trotzdem verbindet beide Staaten ein Beistandsabkommen: Nordkorea
ist weltweit der letzte Staat, dessen Sicherheit vertraglich von der VR China
garantiert wird. In Artikel II ihres Vertrages über "Freundschaft,
Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand" verpflichten sich beide Staaten
auf gegenseitigen Beistand im Kriegsfall.74
Allerdings scheint China angesichts eines militärischen Abkommens zwischen
den Vereinigten Staaten und Südkorea nicht viel auf diesen Vertrag zu geben
und versucht daher, Nordkorea zu mäßigen:
"Although China is bound by a treaty to the defense
of North Korea and has given Pyongyang verbal support to its commitment of
reunification, in reality China has held back North Korea from using military
means to that end, for fear of provoking large-scale, armed conflict that
could involve China in direct military confrontation with the U.S., which
is tied to South Korea´s defense by a treaty."75
Auch materiell ist Pjöngjang vom nördlichen Nachbarn
abhängig: Von den jährlich in der DRVK benötigten zwei Millionen
Tonnen Öl kommt etwa die Hälfte aus China, das auch 72% aller nordkoreanischen
Lebensmittelimporte und 88% der Einfuhr von zur Stahlproduktion benötigtem
Koks bestreitet, um einen plötzlichen Kollaps des Regimes der DRVK und
somit Instabilität in der Region zu vermeiden.76
Für Peking bedeutet Nordkorea eine wirtschaftliche Hürde, da die Güter
zu Freundschaftspreisen, also unter Weltmarktpreisen veräußert werden.
Deswegen drängt China die nordkoreanische Regierung zu wirtschaftlichen
Reformen, denen sich Pjöngjang wie schon erwähnt bis jetzt allerdings
widersetzt. China ermutigt auch auf internationaler Ebene andere Staaten, eine
versöhnliche Politik gegenüber die DRVK zu betreiben, Sanktionen zu
lockern und statt dessen Aussichten auf wirtschaftliche Zusammenarbeit zu stellen.77
Was jedoch den Atomwaffenstatus der DRVK betrifft, so steht China
aus Sicherheits- und Stabilitätsgründen nicht auf der Seite Nordkoreas:
Nach Pjöngjangs Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag im März 1993
schloss China seine Grenze mit Nordkorea für zwei Wochen. Im Mai ließ
Peking durch Stimmenthaltung eine Resolution des UN-Sicherheitsrates passieren,
mit der Nordkorea aufgefordert wurde, die Kündigung des Atomwaffensperrvertrags
rückgängig zu machen.
Die Beziehungen Chinas zu Nordkorea sind somit zweigeteilt und
spiegeln gleichzeitig Pekings Priorität der wirtschaftlichen Entwicklung
und der zu diesem Zweck notwendigen Stabilität der Region wider: Zum einen
sieht man sich auf Grund der gemeinsamen ideologischen Ausrichtung verbunden,
zum anderen wird das Verhältnis überschattet von Nordkoreas nuklearer
Aufrüstung und seiner Wirtschaftspolitik.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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