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Die Rückkehr des "Großen Drachen": Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien?
- Elisabeth Brandstetter

  I     II     III     IV     V     VI     VII     Inhaltsverzeichnis des Artikels

V. China und sein Verhältnis zur koreanischen Halbinsel

A. Chinas Interessen auf der koreanischen Halbinsel

Chinas traditionelles Ziel bezüglich seiner Politik der koreanischen Halbinsel war und ist die weitest mögliche Ausschaltung des Einflusses fremder Mächte, im Besonderen vor allem Russland und Japan als die wichtigsten nordostasiatischen Akteure.66 Peking hat die mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Ausbruch der koreanischen Nuklearkrise angelaufene Verschiebung in der nordostasiatischen Kräftebalance nicht nur erkannt, sondern auch erfolgreich im eigenen Interesse gefördert, indem Peking durch Vermittlung und gelegentlich eskalationshemmendes Einwirken auf Nordkorea eine eigene Schlüsselrolle in der Region herausstreicht.67 Dazu gehört in jüngster Zeit auch das Eintreten für eine neue koreanische Friedensordnung, um so eine Beibehaltung der amerikanischen Militärpräsenz unwahrscheinlich zu machen und Chinas Part bei der anstehenden Wiedervereinigung in den Vordergrund rückt.68 Darüber hinaus ist es schon allein aus wirtschaftlichen Gründen und aus Gründen der geostrategischen Lage Chinas in Pekings Interesse, Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zu erreichen. So möchte Peking in Korea bewaffnete Auseinandersetzungen, nukleare Rüstung und Proliferationseffekte ausschließen. Aus ökonomischer Sicht ist es für China wichtig, Südkorea als bevorzugten regionalen Partner zu kultivieren und wirtschaftliche Beziehungen auszubauen und zu verbessern.

Was eine Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten betrifft, so steht Peking dieser Möglichkeit positiv gegenüber, wie jüngste Statements hochrangiger chinesischer Politiker beweisen: So wünscht die chinesische Regierung verbesserte Beziehungen zwischen beiden Staaten auf der Grundlage von friedlicher Koexistenz, die letzten Endes zu einer friedlichen Wiedervereinigung führen soll.69 Dahinter steht das Kalkül, dass ein wiedervereinigtes Korea sein nationales Ego gezielt oder unvermeidlich aus Antijapanismus, möglicherweise auch aus Antiamerikanismus speisen und sich mindestens ebenso eng an die VR China anlehnen wird70, wie dies Südkorea heute schon tut.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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