 |
|
Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
 |
Die Rückkehr des "Großen Drachen":
Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien? - Elisabeth
Brandstetter
V. China und sein Verhältnis zur koreanischen Halbinsel
A. Chinas Interessen auf der koreanischen Halbinsel
Chinas traditionelles Ziel bezüglich seiner Politik der koreanischen
Halbinsel war und ist die weitest mögliche Ausschaltung des Einflusses
fremder Mächte, im Besonderen vor allem Russland und Japan als die wichtigsten
nordostasiatischen Akteure.66
Peking hat die mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Ausbruch der koreanischen
Nuklearkrise angelaufene Verschiebung in der nordostasiatischen Kräftebalance
nicht nur erkannt, sondern auch erfolgreich im eigenen Interesse gefördert,
indem Peking durch Vermittlung und gelegentlich eskalationshemmendes Einwirken
auf Nordkorea eine eigene Schlüsselrolle in der Region herausstreicht.67
Dazu gehört in jüngster Zeit auch das Eintreten für eine neue
koreanische Friedensordnung, um so eine Beibehaltung der amerikanischen Militärpräsenz
unwahrscheinlich zu machen und Chinas Part bei der anstehenden Wiedervereinigung
in den Vordergrund rückt.68
Darüber hinaus ist es schon allein aus wirtschaftlichen Gründen und
aus Gründen der geostrategischen Lage Chinas in Pekings Interesse, Frieden
und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zu erreichen. So möchte
Peking in Korea bewaffnete Auseinandersetzungen, nukleare Rüstung und Proliferationseffekte
ausschließen. Aus ökonomischer Sicht ist es für China wichtig,
Südkorea als bevorzugten regionalen Partner zu kultivieren und wirtschaftliche
Beziehungen auszubauen und zu verbessern.
Was eine Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten betrifft,
so steht Peking dieser Möglichkeit positiv gegenüber, wie jüngste
Statements hochrangiger chinesischer Politiker beweisen: So wünscht die
chinesische Regierung verbesserte Beziehungen zwischen beiden Staaten auf der
Grundlage von friedlicher Koexistenz, die letzten Endes zu einer friedlichen
Wiedervereinigung führen soll.69
Dahinter steht das Kalkül, dass ein wiedervereinigtes Korea sein nationales
Ego gezielt oder unvermeidlich aus Antijapanismus, möglicherweise auch
aus Antiamerikanismus speisen und sich mindestens ebenso eng an die VR China
anlehnen wird70 ,
wie dies Südkorea heute schon tut.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
|
 |