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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Rückkehr des "Großen Drachen":
Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien? - Elisabeth
Brandstetter
IV. Das chinesisch-indische Verhältnis: Vom offenen Krieg
zu einer stetigen Annäherung
B. Implikationen aus dem Verhältnis zwischen China und
Indien
Angesichts der Annäherung der beiden Staaten bezüglich
ihrer territorialen Streitigkeiten durch den Aufbau von vertrauensbildenden
Maßnahmen stellt sich die Frage, welche Implikationen sich daraus für
die künftigen sino-indischen Beziehungen folgen und welches Interesse China
in der südasiatischen Region verfolgt.
Generell lässt sich feststellen, dass Chinas Politik in Südasien
ebenfalls widersprüchlich erscheint: Einerseits sieht China in Indien neben
Japan und Russland einen Hauptkonkurrenten, was die zukünftige Vormachtstellung
bzw. Ordnungsmacht in Asien angeht. Deswegen ist China bemüht, gute Beziehungen
zu Indiens Nachbarstaaten Pakistan und Myanmar aufrecht zu erhalten, um sich
daraus eventuell strategische Vorteile zu verschaffen, indem es sich bei beiden
Verbündeten um unmittelbare Nachbarstaaten zu Indien handelt und sich eventuell
auch Zugang zum Indischen Ozean zu verschaffen.
Auf der anderen Seite jedoch ist China auch an einer Annäherung
an Indien gelegen: Zum einen ist es im Interesse beider Staaten, den amerikanischen
Einfluss aus Asien zurückzudrängen.62
Auch im Hinblick auf die Menschenrechtsfrage sind sich beide Länder einig,
gegen eine "Verwestlichung" der asiatischen Wertvorstellungen vorzugehen.
Zum anderen ist man sich auch bewusst, dass beide Staaten als die größten
Entwicklungsländer in einigen Gebieten identische Ziele zu erreichen versuchen.63
So unterstützte Indien Chinas Aufnahme in die WTO, während sich China
für einen ständigen Sitz Indiens im UNO-Sicherheitsrat einsetzt.64
Darüber hinaus spielt vor allem für China der ökonomische Faktor
eine große Rolle, ausländische Märkte für chinesische Produkte
zu erschließen und schon allein deswegen relativ gute Beziehungen zu einem
so bevölkerungsreichen Land wie Indien mit einer Milliarde potentieller
Konsumenten zu unterhalten.
In jüngster Zeit verschlechterten sich die sino-indischen
Beziehungen jedoch auf Grund der nuklearen Aufrüstung Indiens maßgeblich.
Für China bedeutet eine zusätzliche Nuklearmacht in Südasien
ein kaum zu kalkulierendes Risiko nicht nur für den Frieden und die Stabilität
in der Region, sondern auch für die Sicherheit des eigenen Landes, zumal
Indien die Notwendigkeit für die Tests unter anderen mit der Begründung
rechtfertigte, China stelle eine nukleare Bedrohung für Indien dar.65
Dies beschwört die Gefahr eines Rüstungswettlaufs herauf, an dem China
zwar keinerlei Interesse haben wird, es sich jedoch auch nicht leisten kann,
der indischen Aufrüstung tatenlos zuzusehen, will die Volksrepublik doch
einen Stellungsgewinn Indiens in Südasien in jedem Fall vermeiden. Darüber
hinaus könnte Chinas günstige Ausgangsposition in den Grenzfragen
durch die nukleare Gefahr von Seiten Indiens geschwächt sein und der Entspannungsprozess
einen herben Rückschlag erleiden. Eine Eskalation der Situation bleibt
jedoch nach wie vor unwahrscheinlich, zumal für Indien die Auseinandersetzungen
mit Pakistan im Vordergrund bleiben und an einem ernsthaften zusätzlichen
Konflikt nicht interessiert sein kann.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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