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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Rückkehr des "Großen Drachen":
Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien? - Elisabeth
Brandstetter
III. China und Südostasien – Implikationen der chinesischen
Beziehungen zu den ASEAN-Staaten
2. Die Durchsetzung chinesischer Interessen in der Spratly-Frage
In der Geschichte der VR China wurde der formelle Anspruch Pekings
auf die fraglichen Inseln bereits 1951 in einer Rede von Zhou Enlai erhoben
und als "unantastbar"26
erklärt. Dieser absolute Souveränitätsanspruch wurde von der
chinesischen Regierung in Form offizieller Erklärungen bis Ende der 80er
Jahre mehrmals wiederholt und im Zuge des Gesetzes über die "Territorialgewässer
und ihre angrenzenden Gebiete" (1992) unter dem Protest nahezu aller südostasiatischen
Staaten kodifiziert, wobei sich China zur Durchsetzung seiner Interessen die
Ausübung militärischer Gewalt vorbehält.27
Die chinesische Argumentation beruht dabei auf historischen Argumenten, nämlich
der Entdeckung und Verwaltung der Region.
Somit scheute sich vor allem China nicht davor, militärische
Gewalt anzuwenden: Bereits im Januar 1974 hatten chinesische Marineeinheiten
in einer spektakulären Aktion einige der von Vietnam besetzten Paracel-Inseln
gewaltsam in Besitz genommen.28
Auf Grund der aktiven Haltung Vietnams - Hanoi konnte zeitweise beinahe zwei
Drittel aller besetzten Inseln unter seine Kontrolle bringen – war Hanoi am
häufigsten in militärische Auseinandersetzungen mit Peking verwickelt.
In einer "Erziehungsmaßnahme" gegenüber Vietnam eroberte
China im Frühjahr 1988 teilweise gewaltsam sieben vietnamesisch beanspruchte
Inseln der Spratly-Gruppe und stationierte damit erstmals chinesische Truppen
im Spratly–Archipel.
Die ersten militärischen Auseinandersetzungen zwischen China
und der Association of South East Nations ASEAN fanden Anfang
1995 zwischen China und den Philippinen statt. Mit der Errichtung von Bauten
auf dem innerhalb der 200-Seemeilen-Zone der Philippinen liegenden, zur Spratly-Gruppe
gehörenden Mischief Reef, die nach offiziellen Angaben von chinesischer
Seite zum Schutz von Fischern, nach westlichen Einschätzungen aber eher
militärischen Zwecken dienen dürften, hat China seine Ansprüche
auf das Südchinesische Meer ein weiteres Mal unterstrichen.29
Angesichts der "entschlossenen" Vorgehensweise Chinas
im Rahmen seiner Interessen im Südchinesischen Meer stellt sich die Frage,
inwieweit das Verhalten Chinas als Hegemoniestreben der Volksrepublik in der
Region gedeutet werden kann.
China betrachtete bis 1987 den Disput über Territorialfragen
im Südchinesischen Meer nur als einen kleineren Punkt in seiner Regionalpolitik,
die strategische Bedeutung des Südchinesischen Meeres lag vor allem in
der Rivalität der Supermächte: In den 70er bis zu Beginn der 80er
Jahre hatten die Inseln des Südchinesischen Meeres ihre Funktion in der
antisowjetischen Politik Chinas, für die Malaysia und die Philippinen als
mögliche Verbündete betrachtet wurden. Daher bezogen sich chinesische
Proteste und Militäraktionen ausschließlich auf Vietnam. Zudem entsprach
dies der Strategie Pekings, sich das "schwächste Glied" in der
Kette auszusuchen, d.h. China machte sich die zu dieser Zeit gegebene internationale
Isolierung Vietnams zunutze.30
Nach 1987 war eine qualitative Veränderung in der Haltung
Chinas zur Frage der Spratly- und Paracel-Inseln eingetreten, da sich Pekings
Aufmerksamkeit auf Grund des sich abschwächenden Ost-West-Konflikts verstärkt
auf die eigenen Peripherie zu richten begann. Die Verfügung über die
in den umstrittenen Gebieten vorhandenen Fischbestände sowie die dort vermuteten
Bodenschätze wird von der Führung als wesentlich für Chinas künftiges
Überleben betrachtet.31
Da Chinas Pro-Kopf-Ressourcen weit unter dem Weltdurchschnitt liegen, wurden
die Gebietsansprüche zu einer Frage von "Lebensraum"32
erklärt. Der Zugriff auf Meeresressourcen wird daher als eine der strategischen
Hauptaufgaben für den Beginn des nächsten Jahrhunderts angesehen .
Eine abschließende Beantwortung der Frage ergibt sich allerdings
erst dann, wenn man Chinas Bereitschaft zu einer friedlichen Konfliktlösung
mit in Betracht zieht.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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