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Die Rückkehr des "Großen Drachen": Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien?
- Elisabeth Brandstetter

  I     II     III     IV     V     VI     VII     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. China und Südostasien – Implikationen der chinesischen Beziehungen zu den ASEAN-Staaten

B. Territoriale Ansprüche Chinas im Südchinesischen Meer

1. Die Bedeutung der Spratly- und Paracel-Inseln

Die VR China beansprucht im Südchinesischen Meer im wesentlichen zwei Inselgruppen, die Paracel- (chin. Xisha) und die Spratly-Inseln (chin. Nansha). Bei der Spratly-Gruppe handelt es sich um eine Ansammlung von über 200 Inseln, Korallenriffen und Sandbänken, die verstreut über ein ca. 250.000 km² großes Gebiet im südlichen Teil des Südchinesischen Meeres liegen.21 Die Paracel-Inseln liegen nordwestlich der Spratly-Gruppe und bestehen ebenfalls überwiegend aus Riffen und Sandbänken, die bei Flut unter Wasser stehen.22

Obwohl die Inseln sämtlich unbewohnt sind und kein wirtschaftliches Eigenleben zulassen, sind sie durch ihre besondere geostrategische Lage interessant: Als Schnittstelle zwischen dem indischen und pazifischen Ozean verbindet dieser Raum Ostasien mit Afrika, dem Nahen Osten und mit Europa und ist deswegen seit Jahrhunderten ein Kreuzweg für den arabischen, indischen, persischen, chinesischen, malaiischen und indonesischen Seeverkehr. In heutiger Zeit führen 30% des Welthandels durch das Südchinesische Meer, darunter 48% des japanischen Handelsverkehrs und 70% der japanischen Rohöleinfuhren sowie ein bedeutender Teil des Warenverkehrs nach Südkorea, Taiwan und Indonesien.23 Von erhöhter strategischer Bedeutung ist darüber hinaus die Eignung der Inseln als "unsinkbare Flugzeugträger"24 und Stützpunkt für Unterseeboote. Des weiteren lassen die reichen Fischvorkommen in den die Inseln umgebenen Gewässern sowie die im Meeresboden vermuteten ausgedehnten Erdöl- und Erdgaslagerstätten das Gebiet der Spratlys wirtschaftlich interessant erscheinen.

Vor diesem Hintergrund erscheint das Bestreben von Teilen der Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres, zumindest Teile der Spratlys in ihr Hoheitsgebiet einzugliedern und somit ihrer Verfügungsgewalt zu unterstellen, plausibel. So beanspruchen die Philippinen etwa 60 Erhebungen der Spratly-Gruppe, Malaysia sieht drei Inseln und einige Felsgruppen, Brunei lediglich ein Riff als zum jeweiligen eigenen Territorium gehörend an. Im Gegensatz zu dem moderaten Ansprüchen der genannten Staaten betrachten die VR China sowie Vietnam jeweils sämtliche Erhebungen der Spratly-Gruppe als zu ihrem Staatsgebiet gehörend.25 Bei den Paracel-Inseln sind es die VR China, Vietnam und Taiwan, die Ansprüche geltend machen. Mit Ausnahme Bruneis hat jeder der Staaten militärische Einrichtungen auf einem oder mehreren der Inselchen oder Riffe.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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