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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Rückkehr des "Großen Drachen":
Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien? - Elisabeth
Brandstetter
III. China und Südostasien – Implikationen der chinesischen
Beziehungen zu den ASEAN-Staaten
B. Territoriale Ansprüche Chinas im Südchinesischen
Meer
1. Die Bedeutung der Spratly- und Paracel-Inseln
Die VR China beansprucht im Südchinesischen Meer im wesentlichen
zwei Inselgruppen, die Paracel- (chin. Xisha) und die Spratly-Inseln (chin.
Nansha). Bei der Spratly-Gruppe handelt es sich um eine Ansammlung von über
200 Inseln, Korallenriffen und Sandbänken, die verstreut über ein
ca. 250.000 km² großes Gebiet im südlichen Teil des Südchinesischen
Meeres liegen.21
Die Paracel-Inseln liegen nordwestlich der Spratly-Gruppe und bestehen ebenfalls
überwiegend aus Riffen und Sandbänken, die bei Flut unter Wasser stehen.22
Obwohl die Inseln sämtlich unbewohnt sind und kein wirtschaftliches
Eigenleben zulassen, sind sie durch ihre besondere geostrategische Lage interessant:
Als Schnittstelle zwischen dem indischen und pazifischen Ozean verbindet dieser
Raum Ostasien mit Afrika, dem Nahen Osten und mit Europa und ist deswegen seit
Jahrhunderten ein Kreuzweg für den arabischen, indischen, persischen, chinesischen,
malaiischen und indonesischen Seeverkehr. In heutiger Zeit führen 30% des
Welthandels durch das Südchinesische Meer, darunter 48% des japanischen
Handelsverkehrs und 70% der japanischen Rohöleinfuhren sowie ein bedeutender
Teil des Warenverkehrs nach Südkorea, Taiwan und Indonesien.23
Von erhöhter strategischer Bedeutung ist darüber hinaus die Eignung
der Inseln als "unsinkbare Flugzeugträger"24
und Stützpunkt für Unterseeboote. Des weiteren lassen die reichen
Fischvorkommen in den die Inseln umgebenen Gewässern sowie die im Meeresboden
vermuteten ausgedehnten Erdöl- und Erdgaslagerstätten das Gebiet der
Spratlys wirtschaftlich interessant erscheinen.
Vor diesem Hintergrund erscheint das Bestreben von Teilen der
Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres, zumindest Teile der Spratlys
in ihr Hoheitsgebiet einzugliedern und somit ihrer Verfügungsgewalt zu
unterstellen, plausibel. So beanspruchen die Philippinen etwa
60 Erhebungen der Spratly-Gruppe, Malaysia sieht drei Inseln und einige
Felsgruppen, Brunei lediglich ein Riff als zum jeweiligen eigenen Territorium
gehörend an. Im Gegensatz zu dem moderaten Ansprüchen der genannten
Staaten betrachten die VR China sowie Vietnam jeweils sämtliche
Erhebungen der Spratly-Gruppe als zu ihrem Staatsgebiet gehörend.25
Bei den Paracel-Inseln sind es die VR China, Vietnam
und Taiwan, die Ansprüche geltend machen. Mit Ausnahme
Bruneis hat jeder der Staaten militärische Einrichtungen auf einem oder
mehreren der Inselchen oder Riffe.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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