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Die Rückkehr des "Großen Drachen": Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien?
- Elisabeth Brandstetter

  I     II     III     IV     V     VI     VII     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. China und Südostasien – Implikationen der chinesischen Beziehungen zu den ASEAN-Staaten

A. Chinas Verhältnis zu den südostasiatischen Staaten im Allgemeinen

Zunächst waren die Beziehungen der kommunistischen VR China und den westlich ausgerichteten Staaten Südostasiens im Zeichen der bipolaren Weltordnung von Antagonismus und Spannungen gezeichnet. Dieser Gegensatz manifestierte sich in Chinas Unterstützung kommunistischer Kräfte in Südostasien und der westlichen, teilweise proamerikanischen Haltung der späteren ASEAN-Staaten. Während China Südostasien als direkte Einflusssphäre im Kampf gegen amerikanisches und später sowjetisches Hegemoniestreben betrachtete, schätzten die südostasiatischen Staaten China im Zuge seiner Kulturrevolution, des Atommachtstatus und der Verstärkung seiner wirschaftlich-militärischen Kräfte als mehr oder weniger bedrohliches "China Threat" ein.12 Chinas Südostasienpolitik war bis zum Ende des Ost-West-Konfliktes weitgehend von Pekings strategischen Interessen gegenüber den Supermächten bestimmt.

Mit dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik wurde der Aufbau und die Pflege diplomatischer Beziehungen mit Südostasien wieder in den Vordergrund gerückt, wobei in diesem Zusammenhang vor allem wirtschaftliche Interessen und ein Ausbruch aus der Isolation eine ausschlaggebende Rolle spielte: Neben der Intensivierung bzw. Renormalisierung der Beziehungen zu allen ASEAN-Staaten konnte China Anfang der 90er Jahre auf Einladung der ASEAN als "Konsultativpartner" (1991) die ersten Schritte in Richtung multilaterale Zusammenarbeit unternehmen.13

Neben der bilateralen Ebene entwickelten sich die multilateralen Beziehungen über die Integration in das ASEAN Regional Forum ARF (1994), eine multilaterale Diskussionsgruppe, die dem politischen Dialog der ASEAN eine sicherheitspolitische Komponente hinzufügt und damit das einzige sicherheitspolitische Dialogforum der Region Asien-Pazifik bildet. Das ARF besteht aus neun ASEAN-Staaten,14 zwei ASEAN-Beobachtern15 und zehn Dialogpartnern der ASEAN16, "to break free of US dominance over political/security discussions in the Asia-Pacific region."17 Das ARF hat sich für den sicherheitspolitischen Dialog drei Etappen vorgenommen, die zum einen die Förderung vertrauensbildender Maßnahmen umfassen, zum zweiten die Entwicklung von Maßnahmen der präventiven Diplomatie zum Ziel hat und darüber hinaus langfristig die Entwicklung von Konfliktlösungsmechanismen vorsieht.18

China wurde 1996 zum vollen Dialogpartner der ASEAN-Staaten aufgewertet, in dessen Rahmen man zur Übereinkunft kam, zukünftig eine Partnerschaft der Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens im Hinblick auf das 21. Jahrhundert aufzubauen.19 In diesem Sinne scheinen die politischen Beziehungen zwischen China und der ASEAN im Hinblick auf die zukünftige politische Bedeutung beider Regionen, der wachsenden kooperativen Verflechtung sowie dem steigenden Integrationsgrad beider Regionen mittelfristig nicht nur eine positive Entwicklung, sondern auch ein zunehmendes Gewicht für den gesamten asiatisch-pazifischen Raum zu besitzen.20 Somit könnte man meinen, dass China im südostasiatischen Raum auf dem Wege zu einer echten Kooperation mit den einzelnen Staaten wäre. Jedoch gibt es starke Unstimmigkeiten über Territorialansprüche im Südchinesischen Meer, die dieses Bild wieder relativieren.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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