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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Rückkehr des "Großen Drachen":
Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien? - Elisabeth
Brandstetter
III. China und Südostasien – Implikationen der chinesischen
Beziehungen zu den ASEAN-Staaten
A. Chinas Verhältnis zu den südostasiatischen Staaten
im Allgemeinen
Zunächst waren die Beziehungen der kommunistischen VR China
und den westlich ausgerichteten Staaten Südostasiens im Zeichen der bipolaren
Weltordnung von Antagonismus und Spannungen gezeichnet. Dieser Gegensatz manifestierte
sich in Chinas Unterstützung kommunistischer Kräfte in Südostasien
und der westlichen, teilweise proamerikanischen Haltung der späteren ASEAN-Staaten.
Während China Südostasien als direkte Einflusssphäre im Kampf
gegen amerikanisches und später sowjetisches Hegemoniestreben betrachtete,
schätzten die südostasiatischen Staaten China im Zuge seiner Kulturrevolution,
des Atommachtstatus und der Verstärkung seiner wirschaftlich-militärischen
Kräfte als mehr oder weniger bedrohliches "China Threat" ein.12
Chinas Südostasienpolitik war bis zum Ende des Ost-West-Konfliktes weitgehend
von Pekings strategischen Interessen gegenüber den Supermächten bestimmt.
Mit dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik wurde der
Aufbau und die Pflege diplomatischer Beziehungen mit Südostasien wieder
in den Vordergrund gerückt, wobei in diesem Zusammenhang vor allem wirtschaftliche
Interessen und ein Ausbruch aus der Isolation eine ausschlaggebende Rolle spielte:
Neben der Intensivierung bzw. Renormalisierung der Beziehungen zu allen ASEAN-Staaten
konnte China Anfang der 90er Jahre auf Einladung der ASEAN als "Konsultativpartner"
(1991) die ersten Schritte in Richtung multilaterale Zusammenarbeit unternehmen.13
Neben der bilateralen Ebene entwickelten sich die multilateralen
Beziehungen über die Integration in das ASEAN Regional Forum ARF
(1994), eine multilaterale Diskussionsgruppe, die dem politischen Dialog der
ASEAN eine sicherheitspolitische Komponente hinzufügt und damit das einzige
sicherheitspolitische Dialogforum der Region Asien-Pazifik bildet. Das ARF besteht
aus neun ASEAN-Staaten,14
zwei ASEAN-Beobachtern15
und zehn Dialogpartnern der ASEAN16 ,
"to break free of US dominance over political/security discussions in the
Asia-Pacific region."17
Das ARF hat sich für den sicherheitspolitischen Dialog drei Etappen vorgenommen,
die zum einen die Förderung vertrauensbildender Maßnahmen umfassen,
zum zweiten die Entwicklung von Maßnahmen der präventiven Diplomatie
zum Ziel hat und darüber hinaus langfristig die Entwicklung von Konfliktlösungsmechanismen
vorsieht.18
China wurde 1996 zum vollen Dialogpartner der ASEAN-Staaten aufgewertet,
in dessen Rahmen man zur Übereinkunft kam, zukünftig eine Partnerschaft
der Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens im Hinblick auf das 21. Jahrhundert
aufzubauen.19
In diesem Sinne scheinen die politischen Beziehungen zwischen China und der
ASEAN im Hinblick auf die zukünftige politische Bedeutung beider Regionen,
der wachsenden kooperativen Verflechtung sowie dem steigenden Integrationsgrad
beider Regionen mittelfristig nicht nur eine positive Entwicklung, sondern auch
ein zunehmendes Gewicht für den gesamten asiatisch-pazifischen Raum zu
besitzen.20
Somit könnte man meinen, dass China im südostasiatischen Raum auf
dem Wege zu einer echten Kooperation mit den einzelnen Staaten wäre. Jedoch
gibt es starke Unstimmigkeiten über Territorialansprüche im Südchinesischen
Meer, die dieses Bild wieder relativieren.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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