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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Rückkehr des "Großen Drachen":
Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien? - Elisabeth
Brandstetter
II. Chinas außenpolitische Orientierung und sicherheitspolitische
Lage nach dem Kalten Krieg
Durch das Ende des Kalten Krieges und die Auflösung der Sowjetunion
ist die VR China eigentlich sicherheitspolitisch in der besten Position seit
ihrer Gründung im Jahre 1949: Wenn China auch seine Funktion als einer
der Eckpunkte im "strategischen Dreieck" zwischen den USA und der
Sowjetunion verloren und dadurch an globaler strategischer Bedeutung eingebüßt
hat, so sind andererseits die Hauptgefahren aus chinesischer Sicht, nämlich
die einer möglichen nuklearen Auseinandersetzung mit den Supermächten,
bzw. die ab Anfang der 60er Jahre wahrgenommene permanente Bedrohung durch die
Sowjetunion, die im Zentrum der sicherheitspolitischen Überlegungen Chinas
standen, entfallen oder in den Hintergrund gerückt.4
Vor diesem Hintergrund hat China bis zu Beginn der 90er Jahre
eine Außenpolitik betrieben, die überwiegend global ausgerichtet
war. Die Orientierungspunkte waren Moskau und Washington, asiatische Staaten
hatten nur zweitrangige Bedeutung. Chinas Asien-Politik wurde meistens instrumental
im Hinblick auf seine globale Strategie angelegt. Beziehungen zu Asiaten waren
nur für die Beziehungen mit Russen und Amerikanern wichtig.5
Die neue Weltordnung ist aus chinesischer Sicht dagegen eine multipolare,
die von den USA als der einzigen verbliebenen Supermacht und den vier Großmächten
Russland, Japan, Westeuropa und China geprägt wird. Im Bewusstsein, dass
China noch immer ein relativ rückständiges Entwicklungsland ist,6
fürchtet Peking, die westliche Welt, vor allem die USA, verfolge politisch
und kulturell eine Strategie der "friedlichen Evolution" zur Aushöhlung
des chinesischen Herrschaftssystems. In diesem Zusammenhang ist auch Pekings
Vorwurf einer gegen China gerichteten containment-Politik der USA zu
sehen.7
Die politischen und wirtschaftlichen Sanktionen nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz
1989, die Unterstützung der chinesischen und tibetischen Exilgruppen und
die Kritik an Menschenrechtsverletzungen haben diese Befürchtungen noch
zusätzlich verstärkt.
Neben dem Ende des Kalten Krieges ist diese Furcht vor einer Eindämmungspolitik
von Seiten der USA und der gesamten westlichen Welt als Hauptgrund zu sehen,
weswegen China seinen außenpolitischen Schwerpunkt auf den asiatisch-pazifischen
Raum verlagerte. Die heute gültige Strategie, die in diesem Zusammenhang
von Deng Xiaoping Anfang der 90er Jahre entwickelt wurde, zielt darauf ab, die
Herrschaft nach innen durch Wirtschaftserfolge zu legitimieren und sich so auch
gegen "ausländische feindliche Kräfte" wehren zu können.8
Flexible Diplomatie soll dafür sorgen, günstige Bedingungen für
die Wirtschaftsentwicklung der Volksrepublik zu schaffen.
So betonte Deng Xiaoping im Jahre 1990:
"Unsere Außenpolitik hat zwei Grundsätze:
Erstens der Kampf gegen Hegemonie und Machtpolitik sowie die Wahrung des Friedens,
und zweitens die Errichtung einer neuen politischen Weltordnung. (...). Das
bedeutet konkret, den Kontakt zu allen Ländern weiterhin zu pflegen."9
Von offizieller Seite wurde immer wieder betont, dass China auf
Grund der "Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz" freundliche
und gleichberechtigte Beziehungen zu allen Ländern wünsche, keine
expansionistische Politik verfolge, keine machtpolitischen und hegemonialen
Interessen verfolge und keine Machtstellung anstreben werde.10
Diesen vermeintlich friedlichen Absichten von Seiten der VR China
scheinen jedoch gegenläufige Tendenzen unvereinbar gegenüber zu stehen:
Die zunehmend selbstbewusste Haltung Pekings, mit der territoriale Ansprüche
nach außen vertreten und geltend gemacht werden, und die weitgehende Abneigung
gegen multilaterale Konfliktlösungsansätze verbunden mit steigenden
Rüstungsausgaben und der Modernisierung des Militärs wecken Zweifel
an der Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit von Chinas Aussagen. Somit
stellt sich unweigerlich die Frage, ob oben genannte Friedensbeteuerungen als
Lippenbekenntnisse zu deuten sind und China in Wahrheit expansionistische Ambitionen
hegt, die sich in den ungelösten Territorialstreitigkeiten zwischen China
und seinen Nachbarn manifestieren könnten:
"Indeed, as China enters an era of far-reaching transition,
there has emerged a visible ambiguity in its defence and foreign policies.
Diplomatically, China is pursuing a policy of interdependence that has helped
it reap considerable economic gains. (...) Militarily, however, the increase
in the country´s power projection capabilities (...) has overshadowed China´s
attempts at regional confidence-building."11
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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