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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Rückkehr des "Großen Drachen":
Ist China auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Asien? - Elisabeth
Brandstetter
I. Einleitung
Die Volksrepublik (VR) China beunruhigte seine Nachbarn von jeher
durch seine überwältigende Größe, die räumliche Nähe
sowie die ideologische Ausrichtung. Dies galt vor allem zur Zeit der Kulturrevolution,
in der das außenpolitisch weitgehend isolierte China zum maßgeblichen
Destabilisierungsfaktor für den asiatischen Raum wurde. Diese größtenteils
historisch-kulturell bedingten Befürchtungen wurden im Zuge des Kalten
Kriegs noch verschärft, als die nicht-kommunistischen Staaten Asiens die
"China threat"-Hypothese der amerikanischen Propaganda, wonach sich
die expansive Kraft des Kommunismus von China über Indonesien nach Südostasien
auszubreiten drohte, übernahmen.1
Auch nach dem Ende des Kalten Krieges ist diese Angst der chinesischen
Nachbarn zum Teil nicht geschwunden, was neben besagten historischen Ursachen
mit der dynamischen Wirtschaftsentwicklung der VR China und der Modernisierung
ihres Militärs zusammenhängt. Vorwiegend bezieht sich nun die "China
threat"-These auf die Perzeption, China stelle schon jetzt oder künftig
ein militärisch-sicherheitpolitisches Risiko insbesondere für die
unmittelbaren Nachbarstaaten der VR China dar, da es eine Politik territorialer
Expansion vorantreibe und die Vormachtrolle in der asiatischen Region anstrebe.2
Ist der "Große Drache" nun wirklich zurückgekehrt
und ist Asien dem Hegemonialstreben einer "Gelben Gefahr" ausgesetzt
oder ist die gegenwärtige chinesische Politik lediglich als "natürliche
Konsequenz einer aufstrebenden Macht"3
zu deuten?
Folgende Ausführungen stellen einen Versuch dar, diese Frage
zu beleuchten. Dabei soll zunächst auf Chinas sicherheitspolitische Lage
nach dem Kalten Krieg eingegangen werden. Anschließend werden die gemeinsamen
Interessen und Konfliktpotentiale in der Region aufgezeigt, wobei ein besonderes
Augenmerk auf die politischen und strategischen Ziele der VR China gerichtet
wird, die sich aus dieser Lage ergeben. Es ist zu beachten, dass nur auf eine
Auswahl der unmittelbaren Nachbarstaaten eingegangen wird und Einfluss nehmende
Akteure außerhalb dieses Gebiets nur am Rande miteinbezogen werden. So
wird neben dem Verhältnis Chinas zu den ASEAN-Staaten auf die sino-indischen
und in diesem Zusammenhang sino-pakistanischen Beziehungen eingegangen, sowie
Chinas Stellung zu den beiden koreanischen Staaten beleuchtet.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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