 |
|
Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
 |
Die Sicherheitspolitik der VR China Sicherheitsdoktrinen und die Rolle
der Volksbefreiungsarmee - Andreas Groß
I. Einleitung
"Das 21.Jahrhundert wird das chinesische Jahrhundert sein."
Diese Aussage ist von chinesischen Politikern häufig zu hören und
ist Ausdruck eines wachsenden Selbstvertrauens Chinas. Im Westen werden solche
Aussagen allerdings mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Auf welchen Annahmen
stützen sie sich? Sind sie das Produkt der zu erwartenden wirtschaftlichen
Stärke? Glaubt China an eine Wiederbelebung seiner kulturellen Führungsrolle
in Asien und damit auch in der Welt? Oder aber baut China auf seine zunehmende
militärische Macht, um das kommende Jahrhundert zu einem chinesischen zu
machen?
Die Befürchtung, China könne sich vor allem auf seine
militärische Stärke verlassen, ist weitverbreitet. Stützen kann
sich diese Ansicht unter anderem auf die allgemeinen Zielsetzungen der chinesischen
Regierung, die auch den Rückgewinn der Autorität beinhaltet, die China
vor dem 19. Jahrhundert einmal besessen hat. Ist China also eine unberechenbare,
aggressive Großmacht? Wohl kaum. Auch die chinesische Sicherheitspolitik
basiert auf konkreten Bedrohungsszenarien, allgemeinen Interessen und daran
angepaßten Mitteln. Diese Punkte sollen im folgenden untersucht werden.
Ausgeklammert wird also die Annahme, China könnte einen allgemeinen, ungezügelten
Expansionismus verfolgen wie in diesem Jahrhundert zunächst Deutschland
und später die UdSSR. Für diese Befürchtung gibt es keinerlei
Belege und die folgende Untersuchung wird zeigen, daß das gesamte Sicherheitssystem
Chinas klar geplant und einigermaßen vorhersehbar ist.1
Es sollte dabei allerdings immer im Bewußtsein bleiben,
daß Sicherheit ein subjektiver Begriff ist und deswegen stark vom historischen
oder kulturellen Hintergrund, der aktuellen Informationslage und politischen
Denkmustern abhängig ist. Außerdem muß die Sicherheitspolitik
eines Landes militärische, aber auch wirtschaftliche oder ideologische
Bedrohungsszenarien in Betracht ziehen.2
In Kapitel III werden diese Szenarien und weitergehende Interessen der chinesischen
Sicherheit analysiert, wobei die Grenzen zwischen Außenpolitik und Sicherheitspolitik
nicht immer klar getrennt werden können. Sicherheitspolitik muß also
immer innerhalb des weiteren Kontextes der allgemeinen Außenpolitik verstanden
werden.
Insgesamt läßt sich die konkrete Sicherheitspolitik
eines Landes an drei Gesichtspunkten festmachen: Militärpolitik, bilaterale
Ansätze und Teilnahme an kollektiven Sicherheitssystemen. Diese sollen
in Kapitel IV genauer untersucht werden.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
|
 |