 |
Chinesisch - das lern' ich nie ...
- von Tilman Lesche
Das Klischee vom unerlernbaren Chinesisch
Die chinesische Sprache hat das Image, sehr schwer zu sein - schließlich
plagen sich Sinologen mehrere Jahre im Studium damit herum, ohne am Ende
notwendigerweise fließend parlieren zu können. Dies sagt allerdings mehr
über die Schwerpunktsetzung an einigen sinologischen Instituten aus, als
über die Schwierigkeit der Sprache an sich.
Das Gegenteil ist richtig
Etwas überspitzt formuliert: Chinesisch ist eine der leichtesten Sprachen
der Welt - einige vergleichende Sprachwissenschaftler behaupten dies nicht
ganz zu unrecht. Konkret: Das Chinesische kennt kein Geschlecht (der, die,
das), keine Deklinationen (das Buch, des Buches, ..., die Bücher), keine
Konjugationen (ich lese, du liest, ...sie lesen) und im Prinzip auch keine
Zeiten (lesen, las, gelesen). Übersetzt man chinesische Sätze wörtlich ins
Deutsche, fühlt man sich unwillkürlich an Kindersprache erinnert.
| Deutscher Satz: |
Wörtliche Übertragung des chinesischen Satzes: |
| Ich lese ein Buch
|
Ich / lesen / Buch
|
| Ich habe gestern ein Buch gelesen |
Ich / gestern / lesen / Buch |
| Wir werden morgen zwei Bücher kaufen |
Wir / morgen / kaufen / zwei / Stück / Buch |
Der Begriff "Kindersprache" ist hierbei allerdings keineswegs abwertend
gemeint. Die chinesische Sprache ist vielmehr sehr effizient und es fehlt
ihr ganz sicher nicht an Möglichkeiten zur differenzierten Ausdrucksweise.
Die Beispiele sollen lediglich veranschaulichen, dass sich die Grundstrukturen
der Sprache schnell erlernen lassen.
Musiker sind im Vorteil
Für Europäer ungewohnt ist es allerdings, dass das Chinesische auf einer
festen Anzahl von Silben und nicht auf einem Alphabet basiert und die einzelnen
Silben jeweils in unterschiedlichen Tonlagen gesprochen werden können, womit
gleichzeitig völlig unterschiedliche Bedeutungen verbunden sind. Das Erlernen
der korrekten Aussprache einschließlich der sog. "Töne" ist sehr wichtig,
um sich später im Kontakt mit Chinesen tatsächlich verständlich machen zu
können.
Ein erstes Fazit
Ausgestattet mit einer guten Aussprache, einer relativ einfachen Grundgrammatik
und einem Basiswortschatz lassen sich bereits viele Alltagssituation auf
Chinesisch bewältigen. Gemeint ist die Fähigkeit, Chinesen zu verstehen
und umgekehrt einfache Inhalte auf Chinesisch formulieren zu können.
Schwierigkeit chinesische Schrift
Die chinesische Sprache besteht selbstverständlich nicht nur aus Hören und
Sprechen, sondern auch noch aus Lesen und Schreiben. Bei den letzteren beiden
kommen die chinesischen Schriftzeichen ins Spiel, die die eigentliche Schwierigkeit
beim Erlernen der Sprache darstellen. Nicht umsonst hat China eine hohe
Analphabetenrate und müssen chinesische Schüler bis in die weiterführenden
Schulen hinein chinesische Schriftzeichen pauken. Eine Kennzahl aus der
Praxis: Ca. 50% der Studenten, die an einer deutschen Universität das Sinologiestudium
mit intensivem Sprachunterricht aufnehmen, springen nach einem Semester
ab. Viele von ihnen haben sich wahrscheinlich sogar auf das Studieren der
"schönen Zeichen" gefreut, mußten dann jedoch feststellen, dass das Erlernen
der Schriftzeichen nur mit viel Fleiß und Durchhaltevermögen gelingt. Dies
sollte niemanden von der Beschäftigung mit den Zeichen abhalten, der eine
Neigung hierfür verspürt. Ohne Zweifel stellt die Kenntnis der Schrift einen
zentralen Schlüssel zum Verständnis der chinesischen Kultur dar. Es soll
an dieser Stelle aber klargestellt werden, dass für viele, z.B. China-Entsandte deutscher Firmen und ihre Lebenspartner oder interessierte Chinatouristen, zunächst einmal die alltägliche Verständigung mit Chinesen
im Vordergrund steht und hierfür die Beschäftigung mit der chinesischen
Schrift verzichtbar ist.
Wie läßt sich Chinesisch ohne die Zeichen lernen?
Bitte lesen Sie weiter:
Pinyin - Chinesisch ohne Schriftzeichen?
|
 |