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Chinesisches Alphabet - von Tilman Lesche

Nicht selten werden wir mit dem Wunsch konfrontiert, einzelne Buchstaben oder z.B. die Initialen eines Namens in schöne chinesische Schriftzeichen zu übersetzen. Der Wunsch ist verständlich - aber die Sache hat einen Haken. Es gibt kein chinesisches Alphabet.

Die chinesische Sprache ist ganz anders aufgebaut als z.B. das Deutsche. Nicht die Aneinanderreihung an sich bedeutungsloser Buchstaben ("g"+"u"+"t" = gut) wird dort zur Begriffsbildung benutzt, sondern einzelne oder mehrere Schriftzeichen. Jedes Zeichen ist hierbei im Normalfall auch ein Bedeutungsträger. Für die Aussprache des Zeichens steht ein fester Vorrat an Silben zur Verfügung. Insgesamt sind dies 415 Silben wie z.B. "shang" oder "hai" (ja richtig, zusammen ergibt das dann die Stadt Shanghai). Mit diesen Silben, die noch durch die Anwendung verschiedener Tonlagen differenziert werden, läßt sich innerhalb der chinesischen Sprache alles Notwendige ausdrücken.

Problematisch wird es aber, wenn ausländische Begriffe und insbesondere Namen gelesen werden sollen. Um beim Beispiel der Städtenamen zu bleiben: die beiden Silben des Wortes "Hamburg" gibt es im Chinesischen nicht, eine gleichklingende Aussprache auf Chinesisch ist also nicht möglich. Die Chinesen behelfen sich in aller Regel damit, den Originalklang des Begriffes mit solchen chinesischen Silben nachzuahmen, die einen halbwegs ähnlichen Klang ergeben. In unserem Beispiel wird aus Ham-burg so Han-Bao. Nach dem gleichen Prinzip geht man auch bei Personennamen vor: aus "Schmidt" wird "Shi-Mi-Te", aus "Peter" wird "Bi-De".

Das ist also die gute Nachricht: Es ist möglich, deutsche Namen ins Chinesische zu übertragen, aber der Weg führt nicht über das Alphabet.



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