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    THEMEN > Kultur >
Zwischen illegaler Unabhängigkeit und zensierter Legalität - Zhang Yuan und das junge Kino Chinas
von Natahlie Bao

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Generation der Kulturrevolution

- Zhang Yuan als Wegbereiter
- Drang zum Umbruch
- Nur im Ausland begehrt
- Modernes Lebensgefühl
- Anhang

NUR IM AUSLAND BEGEHRT

Szenenphoto aus dem Film "I Love You" des Regis-
seurs Zhang Yuan. Bild: © trigon-film
Zhang Yuan wird es trotz aller Auszeichnungen und Anerkennung müde, seine Filme ausschließlich im Ausland zeigen zu können. In verschiedenen Gesprächen drückt er seine Frustration über die Tatsache aus, dass das chinesische Publikum seine Filme nicht sehen kann. Im Dokumentarfilm My Camera Doesn't Lie (2003) von Katharina Schneider-Roos und Solveig Klaßen, einer spannenden Bestandaufnahme des unabhängigen Filmschaffens in China, meint Zhang dazu: "Wenn man hofft, dass man seinen Film in China zeigen kann, dann muss man das System der Zensur akzeptieren. Wenn man zum Schluss kommt, dass man das nicht kann, dann bleibt einem nur, dieses Land zu verlassen und keine Filme mehr hier zu drehen - oder Filme zu machen, sie aber hier nicht zeigen zu können. Was man ausdrücken kann, ist immer begrenzt, bewegt sich immer in diesem Rahmen. Manchmal kann man diese Grenzen akzeptieren, manchmal nicht."

Mit dem Ende des Berufsverbots 1998 beginnt für Zhang Yuan eine neue produktive Schaffensphase. Er realisiert den Dokumentarfilm Crazy English (1999), worin er einem ehemals schüchternen Lehrer folgt, der das Erlernen von Englisch zur Stärkung des Selbstbewusstseins propagiert und als charismatischer Redner in Massenveranstaltungen auftritt. Kurz darauf stellt Zhang den Spiefilm Seventeen Years (1999) fertig, der in Venedig höchste Auszeichnungen erhält und sein erster Spielfilm wird, der in den chinesischen Kinos landesweit gezeigt wird. Zhang erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Streit unabsichtlich seine Schwester umbringt und daraufhin zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt wird. Wegen guter Führung darf die Protagonistin nach siebzehn Jahren erstmals fürs chinesische Neujahrsfest ihre Eltern besuchen und wird von einer jungen Polizistin begleitet.

Zwei Jahre später dreht Zhang eine Fernsehdokumentation über chinesische Kinder, die von Familien in den USA adoptiert wurden (Adoption, 2001). Anschliessend realisiert er eine Dokumentation über die mittlerweile auch in Europa bekannte Tänzerin Jin Xing und deren Geschlechtsumwandlung (Miss Jin Xing, 2000). 2002 inszeniert er in Deutschland eine 1964 nach Vorgaben des sozialistischen Realismus entstandene Pekingoper und verfilmt sie einige Zeit später (Jiang Jie). Erzählt wird die Geschichte der Heldin Jiang Jie, die während des Bürgerkriegs zwischen den Kommunisten und Nationalisten im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg gefoltert wird und - bestärkt im Glauben an den Sieg der Kommunisten - stirbt.

Im gleichen Jahr beginnt Zhang die Zusammenarbeit mit Asian Union Film, die zunächst den Spielfilm I Love You produziert. Das Porträt einer jungen Ehe im modernen Beijing kommt im Herbst 2002 in die chinesischen Kinos und begeistert Publikum und Medien mit dem zeitlos aktuellen Inhalt, der überzeugenden Schauspielerleistung und der gekonnten Inszenierung. Dazu trägt nicht zuletzt die Tatsache bei, dass das Drehbuch auf dem Roman Get a Kick and Die des Bestsellerautors Wang Shuo basiert.

URBANE KULTUR

Mit den Werken dieses Kultautors ist eine ganze Generation im urbanen China groß geworden. Wang Shuos Protagonisten sind Nichtsnutze, Hochstapler, Rüpel und Halbkriminelle, die illusionslos und ohne Zukunftspläne in den Beijinger Alltag hinein leben. Mit seinem frechen und parodistischen Stil und einem untrüglichen Gespür für das neue Lebensgefühl im sich rasant wandelnden China vermag er seine Fans mit immer wieder neuen Geschichten zu packen.

1958 in Nanjing geboren und in Beijing aufgewachsen verbringt Wang Shuo einige Jahre bei der Marine, bevor er in einer Apotheke chinesische Arzneien verkauft und zu schreiben beginnt. Mitte der achtziger Jahre erscheint sein erster Roman, auf welchen zahlreiche weitere in Millionenauflagen folgen. Ähnlich wie der mit ihm befreundete Musiker Cui Jian wird Wang Shuo zum Symbol für die moderne, urbane chinesische Kultur. Ende der achtziger Jahre werden seine ersten Romane verfilmt, es entsteht ein regelrechtes Wang Shuo Fieber. Er gründet eine Produktionsfirma, verfasst zahlreiche Drehbücher, die als Fernsehserien und Kinofilme vor allem auch kommerziell sehr erfolgreich sind. 1996 schließlich führt er Regie bei der Verfilmung seines eigenen, 1991 unter dem Titel Ich bin Dein Vater erschienenen Romans, der als Baba im Jahr 2000 in Locarno den Goldenen Leoparden gewinnt.

Eine der eindrücklichsten Verfilmungen von Wang Shuos Werken legt der renommierte Schauspieler Jiang Wen 1994 mit seiner ersten Regiearbeit In the Heat of the Sun vor, die in Venedig im selben Jahr ausgezeichnet wird. Der Spielfilm vermittelt auf subtile Weise und in einer wunderbaren Bildersprache das Lebensgefühl der Heranwachsenden im China der angehenden achtziger Jahre, wie es Wang Shuo in seinem Roman Das Bestiarium beschreibt.

Als Zhang Yuan sein Projekt zu einem Film über die Liebe weiterverfolgen will, rät ihm Wang Shuo, wieder einmal seinen Roman Get a Kick and Die zu lesen, der bereits 1994 die Vorlage einer erfolgreichen Fernsehserie bildete. Zhang Yuan nimmt das Buch zur Hand, ist auch diesmal begeistert und beschließt kurzerhand, den Roman unter dem Titel I Love You zu verfilmen.

 

 

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