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    THEMEN > Kultur >
Zwischen illegaler Unabhängigkeit und zensierter Legalität - Zhang Yuan und das junge Kino Chinas
von Natahlie Bao

-

Generation der Kulturrevolution

- Zhang Yuan als Wegbereiter
- Drang zum Umbruch
- Nur im Ausland begehrt
- Modernes Lebensgefühl
- Anhang

DRANG ZUM UMBRUCH

Zhangs Werke und Erfahrungen sind exemplarisch für das unabhängige chinesische Filmschaffen der neunziger Jahre. Seine Kollegen der Sechsten Generation, aber auch viele Vertreter der Fünften Generation geraten in Schwierigkeiten mit den Behörden und werden immer wieder mit Berufsverboten belegt. Nicht anders ergeht es einer Reihe von jüngeren Künstlern, die im Laufe der neunziger Jahre ihre ersten Regiearbeiten realisieren, wie zum Beispiel Wang Guangli (Maiden Work, Go For Broke), Wang Chao (The Orphan of Anyang) oder etwa Jia Zhangke (Pickpocket, Platform, Unknown Pleasures) und nicht mehr ausschließlich über eine Ausbildung an der Filmakademie zum Film gelangen.

Szenenphoto aus dem Film "Platform" des Regis-
seurs Jia Zhangke. Bild: © trigon-film
Sie verspüren den starken Drang, den Alltag des modernen Chinas mit all den Facetten einer Gesellschaft im Umbruch in einer möglichst unverfälschten Sichtweise zu erforschen und zu dokumentieren. Sie wehren sich gegen die Einteilung von chinesischen Regisseuren in Generationen und plädieren für eine individuelle Beurteilung ihrer Werke. Ausgeschlossen von der Filmindustrie bleibt ihnen auch der Dialog mit der chinesischen Öffentlichkeit und einer ernst zu nehmenden Filmkritik verwehrt. Sofern sie in China überhaupt öffentlich wahrgenommen werden, sehen sie sich immer wieder mit den Vorwürfen konfrontiert, ihre Filme auf das westliche Publikum und die internationalen Festivaljurys auszurichten und in ihren Werken die hässlichen Seiten Chinas hervorzuheben. Somit bleibt der einzige Ort der öffentlichen Auseinandersetzung das Ausland.

UNTERNEHMER STEIGEN EIN

"A Beautyful New World" von Shi Runjiu.
Bild: © trigon-film
Mitte der neunziger Jahre beginnen die von der Regierung 1993 eingeleiteten Reformen in der Filmproduktion Wirkung zu zeigen. Der Staat ist nicht mehr Produzent, sondern hat die Filmstudios gezwungen, sich selbst zu finanzieren und Investoren für ihre Produktionen zu finden, wobei verschiedene Formen der Finanzierung möglich werden. Es entstehen neue Produktionsfirmen die ins Filmgeschäft investieren, wie zum Beispiel Ocean Films, Forbidden City oder Asian Union Film.

Eine besondere Rolle spielt die 1996 von einem US-Amerikaner mit Unterstützung eines bedeutenden taiwanischen Musiklabels gegründete Produktionsfirma Imar Film, die die Zusammenarbeit mit jungen Regisseuren sucht. Ihre Filme sollen das junge städtische Publikum durch eine interessante Geschichte und mitreißenden Soundtrack berühren und unterhalten. Zwar soll ein gewisser künstlerischer Anspruch erfüllt sein, aber ohne irgendwelche Risiken mit den Zensurbehörden einzugehen.

Der Gründer von Imar Film ist überzeugt, mit neuen Ansätzen in Vertrieb und Marketing entscheidend zum Erfolg der Filme beitragen zu können. Das Konzept zahlt sich aus, der erste Film Spicy Love Soup von Zhang Yang wird 1998 zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres und erhält die wichtigsten Auszeichnungen in China. 1999 folgen A Beautiful New World des Regisseurs Shi Runjiu und Shower wiederum von Zhang Yang, der auch im Ausland Erfolge feiert. Auch die nächste Produktion entsteht unter Zhang Yangs Regie und erzählt von einem erfolgreichen Schauspieler, der in Drogenabhängigkeit gerät und sich mit Unterstützung seiner Familie davon befreien will (Quitting, 2001). Anlehnend an Zhang Yuans Sons fußt die Geschichte auf wahren Begebenheiten und wird vom Betroffenen und seinen Familienmitgliedern selbst dargestellt.

KRITERIEN DER ZENSUR

Die ebenfalls private Produktionsfirma Asian Union Film wiederum wird zu einem der wichtigsten Unternehmen in der Produktion und im Verleih von Werken der Filmemacher der Fünften und Sechsten Generation. Die Firma wird 1996 gegründet und kauft zunächst die Rechte von vor der Gründung der Volksrepublik entstandenen chinesischen Klassikern und Werken der Regisseure der Fünften Generation. Sie produziert Filme wie Keep Cool! (Zhang Yimou, 1997), The Emperor and the Assassin (Chen Kaige, 1998) oder etwa Ang Lees (Li An) Oscar gekröntes Werk Crouching Tiger, Hidden Dragon (1999), wird aber mit der Produktion von Jiang Wens Film Devils on the Doorstep (1998) daran erinnert, dass auch erfolgreiche Produzenten der Willkür der Zensoren ausgesetzt sind.

Der in China äußerst populäre Schauspieler Jiang Wen, der in seiner zweiten Regiearbeit auch die Hauptrolle spielt, siedelt seine Erzählung in einem Bauerndorf Nordchinas während der japanischen Okkupation an. Er zeigt anhand einer einfachen Geschichte die schrecklichen Folgen der japanischen Besetzung, ohne jedoch die Chinesen in einem besonders positiven oder etwa gar heldenhaften Licht darzustellen. Jiang Wen wird ohne bestimmte Angaben der Gründe mit einem temporären Berufsverbot belegt und andere Projekte von Asian Union Film verzögern sich, während der Film in Cannes 2000 preisgekrönt wird. Devils on the Doorstep kommt nicht in die Kinos, ist aber als Raubkopie der japanischen DVD Edition in ganz Beijing und weiteren Städten problemlos zu finden.

Für die Filmschaffenden wird es immer schwieriger, nachzuvollziehen, nach welchen Kriterien die Zensur erfolgt. Die Entscheidungen der Behörden haben mit Ideologie kaum mehr etwas zu tun; Werke, die ihnen unterbreitet werden, sind dank Selbstzensur bereits von den Elementen befreit, die die offizielle Ideologie oder die Partei etwa in Frage stellen würden. Nach Meinung der Filmkritikerin Dai Jinhua kann man weder behaupten, dass die Zensur strikter geworden sei, noch dass eine Lockerung festgestellt werden kann. Es fehlt einfach jeglicher Maßstab, nach welchem die Drehbücher und Filme beurteilt werden. Sie geht davon aus, dass die Entscheidungen davon abhängig sind, ob ein Werk den Einflussbereich und die Position eines Mitglieds der Behörde aus irgendeinem Grund gefährdet und bezeichnet die Situation als absurder als je zuvor.

 

 

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