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Zur Dimension von Globalisierung und Nationalkinematografie im Hongkong Film
- von Carmen Sztob

  V     II     III     IV     V     VI     Inhaltsverzeichnis des Artikels

V. Die Quantenmechanik der kulturellen Globalisierung

Am Beispiel des Hongkong Films läßt sich deutlich ableiten, dass Homogenisierung von Kulturprodukten nicht einfach als Amerikanisierung gedacht werden darf. Der gegenseitige Austausch von Stilen verändert die Kulturprodukte jeder der daran beteiligten Kulturen.

Indem Hollywood bestimmte Elemente des Hongkong Films adaptiert, verändert sich auch die amerikanische Filmkultur. Wenn der Hongkong Film Elemente anderer Filmstile adaptiert, so indigenisiert, assimiliert und domestiziert er sie ebenso, wie es der Hollywood Film tut.

Gleichzeitig entwickeln sich im dynamischen Prozess transkultureller Rezeption neue Sichtweisen auf einheimische und fremde Kulturprodukte. Nicht nur Produkte werden transnationalisiert, auch der Konsument wird hybridisiert.

Wirtschaftliche und kulturelle Dominanzen dürfen in diesem Prozess keineswegs übersehen werden. Globalisierung heißt nicht zwingend Gleichwertigkeit der Kulturen. Dennoch läßt sich ein binäres Modell von einer 1. Welt als Sender und einer 3. Welt als Empfänger von Kultur nicht länger halten. Die kontemporäre Medienkultur ist ein System, in dem globale Massenkultur und lokale einheimische Kultur koexistieren und in komplexer Weise interagieren (Shohat/Stam 1996, 149).

Appadurais Modell kultureller Globalisierung mag hilfreich sein, sich diesem System zu nähern. Er begreift die Konfiguration von kulturellen Formen als fraktalen Prozess, der unterschiedlichen, häufig gegenläufigen Strömungen unterliegt und eine überlappende Struktur hat. Er läßt sich daher nicht euklidisch kausal, sondern eher in Begriffen der Chaostheorie oder Quantenphysik begreifen (1996, 46f). Indem Yau dieses Modell auf den Hongkong Film überträgt, schlussfolgert sie:

    The New Wave Directors and filmmakers coming from opera or martial arts background have refashioned a cinema that is eclectic in cutural imagination: modern, local, and Americanized, but also premodern, Westernized, Japanese and Chinese. A complex hybridization has been taking place for the last decades that is more conductive to a theory of chaos (and quantum politics?) than the lateral model of fertilization between East an West, or the critical model of colonial hegemony and subjugation" (1997, 111).

Wenn wir Hongkong als Vorläufer im kulturellen Globalisierungprozeß begreifen, so können wir anhand dieses Modells zukünftige Tendenzen auch für andere Nationalkinematografien ableiten. Es wird deutlich, wie sich Homogenisierung und Lokalität gleichzeitig im Film artikulieren: sie durchlaufen als dialektische Strömung die Nationalkinematografien einer globalisierten Welt.

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