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Happy Together - Glücklich vereint?
Zur Dimension von Globalisierung und Nationalkinematografie im Hongkong Film
- von Carmen Sztob
IV. Transkulturelle Interpretation als dynamischer Prozeß
IV.B. Authenzität vs. Androgynität
Wong betont in ihren Ausführungen die Assimilierung des Hongkong Films durch eine dominante amerikanische Filmindustrie. Auch wenn sie in ihren Folgerungen die bestehenden Machtverhältnisse im globalen Kulturaustausch treffend charakterisiert, so liegt ihren Vorstellungen doch auch implizit ein Konzept von kultureller Authentizität zugrunde, das hinterfragt werden kann.
Yau dagegen bezieht sich auf Judith Butlers Modell von Androgynität und deren politischem Potential um den kulturellen Modus der Hongkong Filme zu beschreiben. Authentizität ist nach Yau in Zeiten der Auflösung von kulturellen Nationen ein unzureichender Zugang zu kulturellen Produkten. Diese können für den lokalen Konsumenten der lokalen Kultur nicht entsprechend erscheinen und doch gleichzeitig Sprenkel von lokaler Kultur für das globale Publikum repräsentieren. Sie schreibt:
Androgynity as such can be an analogy for Hong Kong Cinema, which uses wit, hyperbole, and sentiment rather than rage to position itself as a (post)colonial cinema that evaluates and counteracts the cultural regimes of both the British and the Chinese. Instead of holding to a single identity tied to a small territory or replaying the norms of a bounded culture, the 'culturally androgynous' film cites diverse idioms, repages codes, and combines genres that are thought to be culturally, aesthetically, or cinematically incompatible (2001, 7).
In diesem Prozeß wird eine lokale Ethnographie im Prozeß einer interkulturellen Selbstbeschreibung bewußt für ein globales Publikum produziert, die Abtrennungen zwischen verschiedenen Kulturen werden niedergebrochen, sodass zuvor historisch und geographisch getrennt erscheinende kulturelle Einheiten verschmolzen werden. Die Authentizität nationaler Kultur an sich kann in Frage gestellt werden (ebenso wie die Frage von Geschlecht bei Butler).
Yau schlußfolgert, kulturelle Androgynität im Hongkong Film sei weder eine reine Repräsentation des kultursynkretistischen Lokalen, noch allein dem Nachgeben unter dem Druck des kulturellen Imperialismus des Westens geschuldet. Kulturelle Androgynität im Hongkong Film sei Produkt der Beschäftigung der Filmindustrie auf globalen Märkten und spiegle letztendlich nichts anderes wider, als den Modus des Hollywood Films, dessen "inauthentische" Produkte ja gerade seine Hegemonie auf dem Filmmarkt begründen (ibid., 8).
Kulturelle Produktion in einer sich globalisierenden Umwelt zeigt deutlich, dass Lokalität und Authentizität als Konstruktionen begriffen werden müssen. In einem dynamischem Prozess von gegenseitiger Rückwirkung und Neuinterpretation führt transkulturelle Rezeption zu ständig neuen Blicken auf das Eigene und das Andere. Dieser Blick ist immer auch von der Suche nach bestimmten Identifikationsmodi determiniert und daher selektiv.
Homogenisierung in diesem Sinne ermöglicht gemeinsame Rezeption durch stilistische Annäherung bei gleichzeitig heterogener Lesart. Sie zeigt sich als äußerst komplexes Gebilde, das mit vereinfachenden Modellen von westlichen Kulturimperialismus oder Kulturkolonialismus nicht vollständig beschrieben werden kann.
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