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Welcome Blockbusters: China öffnet den Filmmarkt

Von Kai Portmann, dpa , Juni 2002

FBI-Agentin Amanda versteht ihr Handwerk. Den Verräter, der die Software eines US-Rüstungskonzerns an die Russen verkaufen wollte, hat sie schnell dingfest gemacht. Nun will sie den Schurken ihrem Chef übergeben. Da bricht plötzlich ein Erdbeben los, Amandas Mission droht zu scheitern...

«Ein dämlicher Plot», urteilten die Kritiker im vergangenen Jahr gnadenlos über den Hollywoodfilm «Epicenter». An den Kinokassen löste der Streifen kaum Bewegung aus. Doch in China hat das Werk aus der Kategorie B-Movie für einige Erschütterung gesorgt. Denn «Epicenter» ist der erste Film aus dem Ausland, der auf Chinas kontrolliertem Filmmarkt nicht von der bisher allmächtigen Staatsfirma China Film vermarktet wird. «Das ist kein Erdbeben, aber ein Durchbruch», sagt Willie Brent, Unternehmer in Chinas Unterhaltungsbranche mit Sitz in Schanghai.

Gut ein halbes Jahrhundert hatte China Film das Monopol auf alle ausländischen Produktionen. Jetzt hat sie die Rechte für «Epicenter» an die Mediengruppe Golden Harvest aus Hongkong verkauft - und damit erstmals auch an einen Filmvertrieb, der nicht vom chinesischen Festland kommt. Das lässt Produktionsfirmen aus aller Welt, die von Samstag (8.6.) an zum 6. Internationalen Filmfestival nach Schanghai kommen, auf bessere Geschäfte auf dem chinesischen Markt hoffen. Vor allem die Hollywood-Studios warten ungeduldig darauf, die eigenen Filme im Reich der Mitte selbst vermarkten zu dürfen.

Chinas Regierung weiß, dass die Filmindustrie des Landes sich wandeln muss. Bislang erlaubte die Pekinger Führung pro Jahr über die China Film den Import von zehn ausländischen Filmen mit einem Etat von mehr als einer Million US-Dollar, meist Kassenhits aus den USA. Seit Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO zum Jahresbeginn aber kommen 20 Hollywood-Streifen jährlich ins Land, bis 2005 werden es wohl 50 sein.

Der so wachsenden Konkurrenz für die einheimische Filmbranche will Chinas Führung mit einem ganzen Reformpaket begegnen. Die Staatliche Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen arbeitet an einer völligen Neuordnung der Filmwirtschaft. «Im Mittelpunkt der Reform stehen ein System von Kino-Ketten, die Abschaffung regionaler Barrieren und unvernünftiger Monopole sowie ferner die Einrichtung vielfältiger Vertriebskanäle», zitieren Staatsmedien den Vize-Chef der Behörde.

Bisher haben die Kinos ihre Filme von Vertrieben auf Provinzebene erworben, die wiederum die Rechte vom dabei gut verdienenden Giganten China Film kaufen mussten. Das hat das Angebot für Kinos und Filmfans beschränkt. In Zukunft werden Chinas Lichtspielhäuser eine größere Auswahl unter Filmen heimischer und ausländischer Herkunft haben. So will die Regierung auch verstärkte Investitionen in den chinesischen Film anstoßen und die Qualität der nach Meinung der Zensurbeamten vorzeigbaren Produktionen heben.

Wenn Chinas Film sich nicht verbessere, werde Hollywood ihn aus den Kinos des Landes verdrängen, meint ein unabhängiger Schanghaier Filmproduzent. Denn die Kinobetreiber wollten Geld verdienen und zeigten daher lieber die einträglichen Kassenschlager aus den USA.

«Der Wettbewerb wird helfen», glaubt Brent. Chinas Filmbranche sei auf einem «Langen Marsch». Eines Tages aber würden auch einheimische Kassenhits mit einem Budget von 50 Millionen US-Dollar in den Kinos zu sehen sein. «Es wird einen chinesischen Arnold Schwarzenegger geben», ist Brent überzeugt.

 

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