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Frühlingsfest (Chunjie) 29.01.2006
- von Tilman Lesche / INSIDE A
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Frohes Neujahr!
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Mit dem Frühlingsfest wird in China das neue Jahr begrüßt. In diesem
Jahr markiert das Neujahrsfest das Ende des Jahres des Hahns und den
Beginn des Jahres des Hundes. Für Chinesen ist es das wichtigste Familienfest
des Jahres und hat eine ähnliche Bedeutung wie hierzulande Weihnachten.
Die Feierlichkeiten erstrecken sich bis zum 15. Tag des ersten Monats
nach dem Mondkalender, dem Laternenfest.
Festessen im Familienkreis
Am letzten Tag des alten Jahres - in diesem Jahr also am 28. Januar -
bereitet jede Familie zunächst gemeinsam ein traditionelles Festessen,
das sich von Region zu Region unterscheidet.
In Nordchina sind gefüllte Teigtaschen, die "Jiaozi" unverzichtbarer
Bestandteil. Die traditionell gekrümmte Form der Jiaozi symbolisiert Reichtum,
denn so ähnlich sahen vor Jahrhunderten die als Zahlungsmittel genutzten
Silberbarren aus. Im Normalfall erhalten die Jiaozi eine Fleisch- bzw.
Gemüsefüllung. Zum Frühlingsfest werden jedoch einzelne der Teigtaschen
mitunter auch mit kleinen Überraschungen gefüllt, z.B. mit Zuckermasse,
einem Bonbon oder auch einem Geldstück. Wer diesen Jiaozi beim späteren
Essen bekommt, kann dann auf ein besonders süßes Leben oder Reichtum hoffen.
Die Jiaozi werden übrigens nie alle aufgegessen - der aufgehobene Rest
sorgt dafür, daß die Familie im nächsten Jahr immer genug zu Essen hat.
Im Süden werden sog. "Niangao" gemacht, kleine Neujahrsküchlein aus klebrigem
Reis.
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Geschriebene Wünsche
Das Haus bzw. die Wohnung der Familie wird zum Frühlingsfest geschmückt.
Wichtig sind vor allem die Neujahrswünsche, die auf langen Papierstreifen
senkrecht neben dem Haupteingang angebracht werden und das Glückszeichen
"fu", das verkehrtherum außen auf die Eingangstür geklebt wird.
Dies ist ein typisches chinesisches Wortspiel. Glück heißt auf Chinesisch
"fu". "Umgekehrt/verkehrt herum"
heißt "dao", "dao" kann in anderer Schreibweise aber mit der gleichen
Aussprache jedoch auch "ankommen" heißen. Also bedeutet das falsch
herum angeklebte Zeichen: "Das Glück kommt". Wer sich ebenfalls
ein Glückszeichen anbringen will, für den haben wir hier
hier eines vorbereitet.
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Es wird laut
Um Mitternacht
folgt das Feuerwerk. Die Chinesen als die Erfinder und Meister des Feuerwerks
zelebrieren es allerdings ganz anders als das in der westlichen Welt gebräuchliche
Silversterfeuerwerk. Während im Westen die Farbeffekte im Vordergrund
stehen, muß es in China vor allem eins sein - laut. Lange Reihen von Böllern
werden an Holzstangen gehängt und angezündet. Das neue Jahr wird mit ohrenbetäubendem
Lärm begrüßt, so werden die bösen Geister vertrieben und die guten Geister
gerufen. In den chinesischen Großstädten der Volksrepublik wurde das Feuerwerken
vor einigen Jahren allerdings verboten. Regelmäßig war es nämlich in der
Neujahrsnacht zu schweren Unfällen, darunter auch vielen mit Todesfolge,
gekommen. Die Neujahrsfeiern haben hierdurch stark an Lebendigkeit verloren.
Mittlerweile brennen jedoch trotz des Verbots immer mehr Chinesen wieder
ihr Feuerwerk ab oder fahren mit der ganzen Familie vor die Tore der Stadt,
um auf diese laute Tradition nicht verzichten zu müssen.
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Durchhalten
Anders als beim europäischen Silvester geht es nach dem Feuerwerk jedoch
nicht in's Bett, sondern die Nacht wird durchgemacht. So will es zumindest
die Tradition, denn eine durchgemachte Neujahrsnacht verheißt ein langes
Leben. Daran scheinen allerdings viele Chinesen nicht mehr zu glauben,
denn viele ziehen doch den erholsamen Schlaf vor.
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Besuche über Besuche
Die
folgenden Tage, normalerweise sind ca. sieben bis zehn Tage arbeitsfrei,
stehen ganz im Zeichen wechselseitiger Besuche im Kreis der Verwandtschaft.
Die Kinder wünschen den Älteren alles Gute zum neuen Jahr und werden hierfür
mit kleinen Geldgeschenken belohnt, die sie in roten Umschlägen bekommen.
Diese Besuche werden üblicherweise nicht angekündigt, sondern man klopft
einfach an. Damit mögliche Gäste nicht vor einer verschlossenen Tür stehen,
gehen nie alle Familienmitglieder gleichzeitig auf Besuchstour - es muß
immer jemand zu Hause bleiben.
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| Tipps für Nicht-Chinesen
Wer zur Zeit des Frühlingsfests in China ist, kann einen der vielen Neujahrsmärkte
besuchen, die in der Regel am Neujahrstag beginnen und einige Tage dauern.
Sie finden vor allem in alten Tempelanlagen und Parks statt. Neujahrsmärkte
sind eigentlich immer gut besucht, sehr farbenfroh und lebhaft - sie sind
damit so etwas wie ein Gegenstück zu westlichen Weihnachtsmärkten.
Vermeiden oder frühzeitig planen sollte man das Reisen innerhalb Chinas
zur Zeit des Frühlingsfests - denn das tun gerade Hunderte Millionen Chinesen
auch! Da das Frühlingsfest das wichtigste Familienfest ist, Familien aber
häufig weit verstreut in China wohnen und arbeiten, setzen sich unmittelbar
vor Silvester ungeheure Menschenmengen in Bewegung - um einige Tage später
natürlich wieder die Rückreise anzutreten. Viele Chinesen verlängern außerdem
neuerdings gerne den Urlaub zum Frühlingsfest um einige Tage und brechen
zu kleineren touristischen Reisen auf, die das Verkehrsaufkommen weiter
steigern. Die kurzfristige Buchung von Flug- oder Zugtickets kann daher
zu einem echten Glücksspiel werden.
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