Im Dickicht der Statistik
Hintergründe zu SARS
- Von Tilman Lesche, 28. Mai 2003
Täglich werden Zahlen zu SARS verbreitet. Es ist die Rede von Infizierten, Verdachtsfällen, Sterberaten, Inkubationszeiten, neu gemeldeten Fällen, unter Quarantäne Gestellten usw.. Diese Zahlen finden Eingang in Zeitungsartikel und TV-Berichte und werden ausgiebig in Internetforen diskutiert. Die Materie ist komplexer als sie auf den ersten Blick aussieht, und so verwundert es nicht, dass hie und da merkwürdige Deutungen entstehen.
Im folgenden daher der Versuch, das Dickicht etwas zu lichten:
Zunächst eine Begriffsklärung. Zu unterscheiden ist zwischen Verdachtsfällen ("suspected cases") und wahrscheinlichen Fällen ("probable cases") von SARS.
Als Verdachtsfälle werden Personen eingestuft, die nach dem 1. November 2002 erkrankt sind, Fieber mit mehr als 38°C haben, typische Symptome der Krankheit aufweisen (z.B. Husten oder Atemnot) und sich entweder in einer bekannten Risikoregion aufgehalten haben bzw. Kontakt zu einem SARS-Verdachtsfall/wahrscheinlichen Fall hatten.
Wahrscheinliche Fälle sind solche, bei denen die Kriterien für den Verdachtsfall zutreffen und zusätzlich ein ärztlicher Befund über Pneumonie oder akutes Atemnotsyndrom (ADRS) vorliegt. Zu den wahrscheinlichen Fällen werden auch Todesfälle gezählt, die auf eine Atemwegserkrankung zurückgehen und bei denen Hinweise auf ADRS vorliegen. Üblicherweise werden diese "wahrscheinlichen Fälle" in vielen Veröffentlichungen als "Infizierte", "Erkrankte" oder schlicht als "Fälle" bezeichnet.
Die WHO veröffentlicht täglich aktualisierte Zahlen aus der ganzen Welt zur Ausbreitung von SARS. Konkret werden gemeldet:
- Die kumulierte Zahl wahrscheinlicher Fälle
- Die Zahl neuer wahrscheinlicher Fälle seit dem letzten Bericht
- Die Zahl der Todesfälle und
- Die Zahl der Genesenen.
Alle Zahlen basieren auf Meldungen der Gesundheitsbehörden der jeweiligen Länder, sind also davon abhängig, wie gut und konsequent die Erfassung vor Ort funktioniert und ob die jeweiligen Patienten korrekt den Fallgruppen zugeordnet werden.
Kumulierte Zahl wahrscheinlicher Fälle: Kumuliert bedeutet, dass alle wahrscheinlichen Fälle seit dem November 2002 addiert werden. Die Zahl schließt damit auch die seitdem Verstorbenen, die bereits Genesenen und die noch in Behandlung befindlichen ein.
Die Zahl der Todesfälle ist nur auf den ersten Blick einfach zu ermitteln. Während die Tatsache des Todes natürlich unstrittig ist, ist die Zuordnung eines Todesfalles zur Krankheit SARS häufig nicht einfach. Gerade in Ländern oder Regionen mit ungenügender ärztlicher Versorgung und geringer fachlicher Kompetenz bezüglich SARS muß davon ausgegangen werden, dass mögliche SARS-Todesfälle nicht richtig zugeordnet und z.B. als Grippeerkrankungen behandelt werden.
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