| 02. April |
Wen Jiabao, Chinas neuer Premierminister, beruft den Staatsrat zu einer Sondersitzung ein. Dieser beschließt, das chinesische System der Bekämpfung von Epidemien grundlegend zu überarbeiten. Das Team der WHO erhält wenige Stunden später die Genehmigung, am folgenden Tag zu Vor-Ort-Untersuchungen in die Provinz Guangdong zu reisen. Die WHO gibt eine offizielle Reisewarnung für Hong Kong und die Provinz Guangdong heraus, die erste seit 55 Jahren.
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03. April |
Zhang Wenkang, der chinesische Gesundheitsminister, tritt zum ersten Mal zum Thema SARS vor die Presse.
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09. Apri |
Jiang Yanyong, 71-jähriger Arzt im Pekinger Militärhospital Nr. 309 informiert die Presse in einem Brief über 60 Infizierte und sechs Tote alleine in seinem Krankenhaus. Die offiziellen Zahlen Pekings zum gleichen Zeitpunkt sprechen von 12 Kranken und drei Toten - für die ganze Stadt. In seinem Brief bezichtigt der Arzt den chinesischen Gesundheitsminister offen der Lüge.
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| 13. April |
Kanadische Forscher haben das Genom des Coronavirus entschlüsselt, das vermutlich SARS auslöst. Dies ermöglicht die gezielte Forschung am Krankheitserreger und die Entwicklung von Impfstoffen.
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| 15. April |
Ein WHO-Experte äußert die Vermutung, die Ansteckungsgefahr von SARS könne von Infiziertem zu Infiziertem abnehmen.
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| 16. April |
Es steht laut WHO fest, dass die bereits seit längerem verdächtigten Coronaviren für die Krankheit verantwortlich sind.
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| 17. April |
China gibt 12 Neuinfektionen an diesem Tag bekannt. Neben 9 Fällen in Guangdong wird auch je ein Infizierter aus den Provinzen Innere Mongolei, Sichuan und Ningxia gemeldet. Weltweit steigt die Zahl der Infizierten auf 3389, bereits 165 Todesfälle sind zu beklagen.
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| 20. April |
Die Regierung handelt: Gesundheitsminister Zhang Wenkang und Pekings Bürgermeister Meng Xuenong verlieren ihre Positionen in der KP Chinas und werden in der Folge auch ihre Ämter abgeben müssen. Dies ist ein in seiner Deutlichkeit seltener Schritt in China. Zum gleichen Zeitpunkt gibt Gao Qiang, stellvertretender Gesundheitsminister und wahrscheinlicher Nachfolger Zhang Wenkangs, bekannt, dass die Zahl bestätigter SARS-Fälle in der Hauptstadt bei 339 liegt - gegenüber der bisherigen offiziellen Zahl von 37!
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| 21. April |
Für Peking werden weitere 109 SARS-Fälle gemeldet, zusätzlich sollen noch mehr als 400 Verdachtsfälle existieren. Die Gesamtzahl bestätigter Krankheitsfälle in China steigt damit auf 1.959. Ein sechsköpfiges Team der WHO trifft in Shanghai ein, um die dortige Situation zu untersuchen. Offenbar glaubt auch die WHO nicht, dass es in der Stadt nur die bislang veröffentlichten zwei Krankheitsfälle gibt.
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| 22. April |
"Ich glaube, uns steht ein massiver Ausbruch [von SARS] bevor", sagt Henk Bekedam, WHO-Vertreter für China. Er geht davon aus, dass insbesondere in den ärmeren Provinzen Chinas die Krankheit weitere Ausbreitung finden wird. In Peking werden 159 neue Fälle und fünf Tote gemeldet, für Hong Kong heißen die Zahlen 32 und fünf. Im Pekinger Bezirk Haidian wird die Schulpflicht an 280 Schulen aufgehoben, die Eltern können entscheiden, ob sie ihre Kinder weiter zur Schule schicken.
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| 23. April |
Nun werden alle Schulen Pekings geschlossen - zunächst bis zum 7. Mai. SARS hat insgesamt 19 Regionen und Metropolen Chinas erreicht, Vizepremierministerin Wu Yi ruft die noch nicht betroffenen Provinzen auf, sich auf SARS vorzubereiten. Fast ein Viertel der landesweit Erkrankten gehört zum medizinischen Personal. 2.158 SARS-Kranke, 97 Todesfälle, 1.213 als geheilt Entlassene in China. Zur Halbzeit der Kantoner Frühjahrsmesse wird klar, dass die Zahl der Besucher und der Geschäftsabschlüsse im Vergleich zu früheren Messen dramatisch einbrechen werden.
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| 24. April |
Während die Zahl der SARS-Infektionen weiter steigt, treibt die Epidemie mancherorts seltsame Blüten: In Hong Kong vermarkten mehrere Designer hochwertige Mundschutz-Masken zu gehobenen Preisen und ein Mobilfunk-Dienstleister will seine Kunden per SMS vor Risikogebieten warnen - ansonsten aber steht die Wirtschaft auf der Verliererseite.
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| 25. April |
In Peking greift immer mehr die Angst um sich - Panik ist es jedoch nicht. Die Bewohner versorgen sich vor allem mit Nahrungsmitteln, um sich dann möglichst nicht mehr aus ihren Wohnungen bewegen zu müssen. Das Mißtrauen gegenüber der politischen Führung ist groß, immer neue Gerüchte machen die Runde. Verunsicherung.
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| 26. April |
Vizepremierministerin Wu Yi übernimmt das Amt der Gesundheitsministerin, Zhang Wenkang mußte von seinem Posten zurücktreten. Wu Yi gilt als resolut und zielstrebig - ein Signal an die eigene Bevölkerung und auch das Ausland, wo man Wu Yi vor allem aus der Verhandlungsphase zum WTO-Beitritt Chinas kennt und schätzt. Jetzt ist die WHO wichtiger.
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| 27. April |
Eine Autostunde entfernt von Peking kommt es zu einer Rebellion tausender Chinesen, als bekannt wird, dass dort eine Quarantänestation für SARS-Verdachtsfälle aus Großstädten eingerichtet werden soll. Polizei riegelt das Gebäude ab. Aus WHO-Kreisen wird erneut Kritik an der Informationspolitik chinesischer Stellen laut.
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| 28. April |
Jiang Zemin, Chef der Zentralen Militärkommission und ehemaliger KP-Chef und Staatspräsident, ordnet an, 1200 Ärzte und Pflegekräfte der Volksbefreiungsarmee für den Aufbau zusätzlicher SARS-Versorgungseinrichtungen zu entsenden. Im Norden Pekings wird ein neues Krankenhaus in nur einer Woche Bauzeit aus dem Boden gestampft. 3.106 Erkrankte, das sind 203 mehr als am Vortag. 96 der Neuinfizierten kommen aus Peking, wo es jetzt 1.199 Kranke gibt. In Peking sind knapp 8.000 Menschen unter Quarantäne.
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| 29. April |
Es wird immer deutlicher, dass Peking Schwierigkeiten mit der Versorgung der Infizierten und der Verdachtsfälle hat. Betten und Ausrüstung in den 21 für SARS-Patienten ausgewiesenen Krankenhäuser reichen nicht mehr aus. Die Epidemie breitet sich verstärkt in den Provinzen Shanxi und Innere Mongolei aus.
Die deutschen Gesundheitsbehörden sehen keine Veranlassung, auf den deutschen Flughäfen verschärfte SARS-Kontrollen durchzuführen.
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| 30. April |
In Hong Kong kommt es zur Wiedererkrankung von Personen, die bereits als geheilt galten.
In Peking gibt der amtierende Bürgermeister Wang Qishan zu, dass es zu Hamsterkäufen von Nahrungsmitteln und Medikamenten gekommen ist.
Das Geschäftsleben in China wird durch eine stetig steigende Zahl von Quarantänebestimmungen eingeschränkt. Vielfach müssen sich Geschäftsreisende aus SARS-Regionen wie z.B. Peking in anderen Städten bei Ankunft einer 10- oder 14-tägigen Quarantäne unterziehen. Dies gilt z.B. für Shanghai, aber auch für Nanjing, Shenyang oder Dalian. Damit machen viele Geschäftsreisen keinen Sinn mehr.
Die große Kantoner Frühjahrsmesse schließt mit einem dramatischen Einbruch der Geschäftsabschlüsse auf ein Viertel des Vorjahreswertes.
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