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Herausforderung aus Fernost - Schach im dritten Jahrtausend
Das gibt es auch - eine Führungsfigur mit richtigem Weitblick
Die beiden Figuren, um die sich auch im Xiangqi alles dreht, sind also der rote bzw. schwarze König. In direkter Entsprechung zum Internationalen Schach startet der Herrscher des Anziehenden auf e 1; der Oberbefehlshaber des Nachziehenden thront dagegen auf dem zentralen Schnittpunkt e 0, der immerhin mit der Position e 8 aus dem Western Chess verglichen werden kann.
Da deswegen die Monarchen in beiden Schachvarianten offenbar direkte Verwandte sind, macht es Sinn, die Xiangqi-Könige in der abgekürzten englischen Notation ebenfalls mit K zu bezeichnen. In Diagrammen und bei der Wiedergabe von Partieabläufen, die statt der Abkürzung ein Piktogramm verwenden, können für die Asiaschach-Feldherren folgerichtig auch die bekannten Königssymbole aus dem Western Chess eingesetzt werden.
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Der Xiangqi-Monarch schreitet pro Spielzug einen Schritt in waagrechter oder senkrechter Richtung - das entspricht dem Internationalen Schach - ; ansonsten ist die Beweglichkeit des Chinesen-Königs gegenüber seinem Kollegen aus dem Reich der 64 Felder aber bereits insofern eingeschränkt, als der Asia-King nicht diagonal ziehen oder schlagen darf (was ja nach den bekannten FIDE-Regeln erlaubt ist). Der begrenzte Aktionsradius des Xiangqi-Königs lässt sich daher mit einem Turm aus dem orthodoxen Schach vergleichen, den man ausnahmsweise zu extremer Kurzschrittigkeit - nämlich jeweils nur ein Feld vertikal oder horizontal - vergattert hätte.
Hinzu kommt eine Besonderheit im Xiangqi: Der rote König darf das Planquadrat d 1 - d 3 - f 3 - f 1 über dessen Außenmarkierungen hinaus nicht verlassen; desgleichen nicht der schwarze Monarch die direkt gegenüberliegende Sonderzone d 0 - d 8 - f 8 - f 0. Das sind die bereits erwähnten Paläste der beiden Spielgegner.
Dass die beiden gegnerischen Könige in ihren jeweiligen Palästen festsitzen - und dort auch noch mit äußerst bescheidenen Auslaufmöglichkeiten; insgesamt stehen den Monarchen maximal neun klägliche Manövrierpunkte zur Verfügung -: Exakt das macht die Lage der Zentralfiguren äußerst prekär. Schließlich weiß jeder erfahrene Spieler aus dem Internationalen Schach, wie verhängnisvoll es sich auswirken kann, wenn er seinen Oberbefehlshaber nicht rechtzeitig aus der Mitte seitwärts in Sicherheit bringt, sprich: rochiert. Diese standardmäßige Fluchtoperation aus dem Western Chess steht den Xiangqi-Herrschern jedoch nicht zur Verfügung. Allerdings ist den Königen als Kompensation eine ziemlich tückische Verstärkung ihrer Kampfkraft verliehen worden: der sogenannte "Todesblick".
Aus dieser Fähigkeit - englisch: Telepotency - folgt die Regel, dass dann, wenn ein König auf einer Linie postiert ist, die völlig freien Blick Richtung Gegner bietet, weil sie weder durch andere (eigene oder fremde) Steine Sichtschutz bietet, der feindliche Monarch diese Senkrechte nicht betreten darf. Dem chinesischen Herrscher ist also eine (Fern-) Opposition wie im Internationalen Schach untersagt: aufgrund des besagten "Todesblickes", mit dem derjenige General, der eine offene Vertikale zuerst okkupiert, diese dann für den Opponenten sperrt.
Reiterstaffeln schwärmen aus
Im Gegensatz zur einzigartigen Ambivalenz von Macht und Ohnmacht der Xiangqi-Könige - einerseits gefangen in ihren Palästen, andererseits furchtbar mit ihrem Todesblick - bieten die zweimal zwei Ritter ein beinahe vertrautes Bild. Die Horses - Abkürzung in der englischen Notation: H; internationalisiertes Symbol: Pferde-Kopf - stehen in der Grundaufstellung auf b 1 und h 1 (Rot) bzw. b 0 und h 0 (Schwarz). Sie ziehen - bloß transformiert in die nunmehr schon vertraute 90-Schnittpunkte-Raumdefinition des Xiangqi - wie die Springer im Internationalen Schach: nämlich einen Feldpunkt vorwärts, rückwärts oder seitwärts plus einen weiteren Feldpunkt diagonal.
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Allerdings gibt es da einen wichtigen Unterschied: Der Xiangqi-Springer kann nicht springen. Ist nämlich der unmittelbar horizontal bzw. vertikal nächstgelegene erste Schnittpunkt - den der Gaul als notwendige Durchgangsstation ja zunächst passieren muss, um danach die Destination mit dem Springer-typischen (zweiten) Diagonal-Zug zu erreichen - von einem eigenen oder fremden Stein besetzt, so bleibt diese Route dem Schimmel bzw. Rappen versperrt. Der Hengst kann über das Hindernis nicht hüpfen; da muss dann eben eine Umgehung gesucht werden - während im FIDE-Schach diese Art der Springer-Blockade natürlich unbekannt ist.
Die Bodyguards des Herrschers
Wir haben gesehen, dass ein Xiangqi-König während der gesamten Partie mitten im Pulverdampf ausharren muss. Wenigstens verleiht es ihm eine gewisse Sicherheit, dass er - anders als im Internationalen Schach - nicht nur eine Single-Dame an seiner Seite weiß, sondern gleich eine Doppeleskorte: auf d 1 und f 1 (Rot) respektive d 0 und f 0 (Schwarz).Das sind die Mandarine - englisch: Advisor, abgekürzt: A -, und sie lassen sich, da sie schachhistorisch als Vorläufer der modernen Damen kategorisiert werden können, mit dem Dame-Symbol aus dem Internationalen Schach darstellen.
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Der Mandarin im Xiangqi ist ein Verwandter des Wesirs (arabisch: firzan) aus dem traditionellen Kalifen-Schach Shatranj. Bevor sich der Wesir als Ergebnis der Schachrevolution gegen Ende des 15. Jahrhunderts in die omnipotente Dame verwandelt hat, konnte diese Figur bescheiden nur jeweils ein Feld pro Zug diagonal zurücklegen. Desgleichen bis zur Gegenwart der Berater im Xiangqi - wobei dessen Aktionsradius noch weiter eingeschränkt wird. Da die beiden Mandarine ihren jeweiligen Herrscher - der nach den Xiangqi-Regeln nun mal aus dem Auge des Sturms nicht fliehen darf - wegen dessen Verletzlichkeit mit den eigenen Leibern gegen mögliche Attacken abschirmen sollen, dürfen auch sie die Verbotene Stadt nicht verlassen. Die möglichen Züge der Mandarine werden auf dem Xiangqi-Brett durch die Diagonalmarkierungen im Palast hervorgehoben.
Das Elefanten-Korps
Die Bodyguards der Chinaschach-Herrscher werden verstärkt durch das Elefantenkorps. Die Elephants - englisch abgekürzt: E - besetzen auf dem Chinaschach-Plan jene Positionen, die den Startblöcken der Läufer im Western Chess vergleichbar sind, nämlich c 1 und g 1 (Rot) bzw. c 0 und g 0 (Schwarz). Internationalisierte Piktogramme im Staunton-Stil setzen logischerweise für Elefanten das Bishop-Symbol ein.
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Die Elefanten ziehen - ausgehend von ihrer jeweiligen Position auf dem Brett - diagonal zwei Punkte vorwärts oder rückwärts. Wichtig ist, dass die betreffende Schräge völlig frei sein muss: Sie darf durch keinen Stein, weder von eigener noch von fremder Farbe, auf dem ersten Punkt dazwischen - vor dem Zähl- und Zielpunkt Nr. 2 auf der Diagonale - besetzt und damit unterbrochen sein. Außerdem müssen die Elefanten auf der jeweiligen eigenen Seite der Bretthälfte bleiben - die durch den Zentralstrom Huanghe in Richtung Gegenseite abgegrenzt wird.
Bauern, die zu Berserkern werden
Gewöhnungsbedürftig ist die eigentümliche Art der Infanterie, im Xiangqi zu marschieren und zu schlagen. Außerdem wird - anders als im Internationalen Schach, wo ja beide Seiten jeweils über acht Bauern verfügen - nach den Regeln der Chinesen die Zahl der Pawns (englisch abgekürzt: P; westliches Diagrammzeichen: Bauer) von vorneherein spürbar reduziert: nämlich auf jeweils fünf für Rot bzw. Schwarz.
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Die Xiangqi-Fußsoldaten stürzen sich in die nächste Partie von den vorgeschobenen und auf dem Brett eigens markierten Punkten a 4 / c 4 / e 4 / g 4 / i 4 (Rot) bzw. a 7 / c 7 / e 7 / g 7 / i 7 (Schwarz). Die Bauern ziehen pro Schlagwechsel jeweils einen Schritt vorwärts - der FIDE-Doppelschritt ist unbekannt - und niemals zurück. Anders als im Internationalen Schach schlagen sie nicht diagonal, sondern auf die gleiche Weise, wie sie vorrücken: also direkt geradeaus. Ferner lässt das Xiangqi keine Promotion nach Erreichen der jeweils vis-à-vis liegenden Grundreihe zu; allerdings kennen auch die Asiaten eine Wirkungsverstärkung ihrer Soldaten, wenn die Leichtbewaffneten eine bestimmte Strecke auf dem Brett zurückgelegt haben. Überschreitet nämlich ein Bauer den Grenzfluss, so darf er nun auch seitwärts, nach links oder rechts, ausweichen bzw. zulangen.
Fliegende Kanonen
Sind bereits die Infanteristen der Xiangqi-Armeen kampfesfreudiger als ihre Bauernkollegen im Internationalen Schach, so stellen die Kanonen - englisch: Cannons, internationale Abkürzung: C; Symbol: stilisiertes Geschütz - besonders weit reichende und gefährliche Waffen dar. Diese Artillerieverbände erwarten den Feuerbefehl in der Anfangsstellung auf den eigens herausgehobenen Punkten c 3 und h 3 (Rot) bzw. c 8 und h 8 (Schwarz).
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Werden die Geschütze manövriert, ohne zu schlagen, dann rauschen sie über die Linien bzw. Reihen seitwärts oder vertikal wie ein Turm im Internationalen Schach. Anders sieht die Lage aus, sobald die Fernwaffen einen gegnerischen Stein aus dem Weg räumen sollen. Dafür benötigt die Kanone dann nämlich einen weiteren Stein, der zwischen Haubitze und Zielobjekt postiert sein muss - als sogenannte "Rampe". Welche Farbe dieses Sprungbrett trägt, ist unerheblich: Das kann eine eigene oder fremde Figur sein. Außerdem ist nicht entscheidend, wie viele Schnittpunkte Abstand bestehen zunächst zwischen der Kanone und ihrer konkreten Rampe einerseits und dann zwischen dieser Rampe und dem dahinter stehenden Stein andererseits. Über das Sprungbrett hinweg - das darf jeweils nur ein Stein sein, niemals deren zwei - wird die attackierte Figur, dem Schlagen beim Damespiel vergleichbar - vom Brett genommen und das Geschütz an dessen Stelle gesetzt.
Wuchtige Kampfwagen
Bleiben jetzt noch die stärksten Steine auf dem Brett. Sie finden sich jeweils an den beiden äußersten Flanken der Offiziersformationen, auf a 1 und i 1 (Rot) beziehungsweise a 0 und i 0 (Schwarz). Ihnen sind damit die Basen der Türme aus dem Western Chess zugewiesen worden: die zweimal zwei roten bzw. schwarzen ChaRiots (in der englischen Notation abgekürzt mit R; internationales Piktogramm: Turm). Diese Kampfwagen bewegen sich und schlagen wie orthodoxe Türme: wahlweise einen oder mehrere Punkte vertikal oder horizontal auf den Linien oder Reihen.
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