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Susanne Klein
Umweltschutz in China

REZENSION
von Blandina Brösicke

Unter den zehn am stärksten verschmutzen Städten der Welt befinden sich acht chinesische, stellte die Asiatische Entwicklungsbank im Jahr 2001 fest. Die Investitionen der chinesischen Regierung für die Jahre 2001-2005 im Umweltsektor liegen bei umgerechnet 85 Mrd US$. Doch wie gestaltet sich der Umweltschutz in China konkret? Welche Organisationsformen gibt es und wie verhält es sich mit dem Umweltbewußtsein der chinesischen Bevölkerung? Mit diesen Fragen setzt sich die Wirtschaftssinologin Susanne Klein in der Reihe "Internationale Märkte" des Verlags Peter Lang auseinander.

Umweltschutz in China ist ein so weitgefächertes Gebiet, das, legt man sich nicht auf ein spezielles Problem fest, nur in einem Überblick wiedergegeben werden kann. Susanne Klein versucht dies mit möglichst kurzen Abschnitten in einer knappen Sprache. Zum Teil stellt sie dabei Themen jedoch so verkürzt dar, daß Leser ohne China-Kenntnisse vermutlich beim ersten Lesen nur wenig Zugang zur eigentlichen Problematik finden werden. Dies gilt zum Beispiel für Kapitel 3.2., in dem ansatzweise von den Wirtschaftsreformen seit 1978 die Rede ist. Ein Verweis auf Kap.6.4., wo man eben dieses Thema ausführlicher studieren kann, wäre hilfreich gewesen. Doch fragt man sich, ob an dieser Stelle, wie an einigen anderen auch, nicht etwas hätte zusammen geführt werden können?

"Die chinesische Kultur ist nicht umweltfreundlich". Diese in Kapitel 5 formulierte These läßt aufhorchen. Kaum ein Land, zitiert Klein die Autorin Hanne Chen ("Kulturschock China", 2001), habe eine so kontinuierliche Geschichte zivilisatorischer Naturzerstörungen wie China. Die Ursachen dafür versucht Klein anhand der kulturellen Eigenheiten des Landes zu finden, indem sie zunächst auf die nicht zu unterschätzende Sprachproblematik eingeht. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff "Natur" im Sinne von Umwelt durch den Einfluß westlicher Philosophen über japanische Wissenschaftler in China eingeführt.

In der darauf folgenden kurzen Gegenüberstellung von Daoismus/Buddhismus und dem in China lange Zeit übermächtigen Konfuzianismus räumt Klein erfreulicherweise mit einem alten Klischee auf: Die Asiaten bzw. Chinesen lebten in Harmonie mit der Natur und müßten folgerichtig ganz besonders um den Erhalt derselben bemüht sein. Der chinesische Begriff für Wildnis [ye] beschreibt aber vielmehr das Unzivilisierte, Barbarische, im Gegensatz zu westlichen Vorstellungen von unberührter Natur. Nach Prinzipien des Konfuzianismus müsse die Natur kontrolliert und ausgenutzt werden, eine Denkweise, die sich noch heute im Verhalten der Chinesen gegenüber ihrer Umwelt manifestiere. Erst allmählich entstünde ein Bewußtsein für die Schönheit und Schutzbedürftigkeit der freien Natur im Reich der Mitte.

In einzelnen Abschnitten erfährt der Leser wichtige Hintergrundinformationen, z.B. wenn es um chinesische NGOs geht bzw. die Hürden, die zu nehmen sind, bis eine Nichtregierungsorganisation überhaupt erst gegründet werden kann. Auch die Ausführungen zu "Umgang mit der Umwelt in Chinas Geschichte" und "Presse und Propaganda" sind nennenswert. Positiv fällt der Vergleich mit Taiwan auf, in dem Klein zeigt, daß Umweltschutz nicht unbedingt von einem bestimmten politischen System abhängig ist.

Insgesamt hat man jedoch das Gefühl, einer losen Sammlung gegenüberzustehen. Zum einen sind wichtige Felder nicht erwähnt, wie z.B. die offizielle Zusammenarbeit mit anderen Staaten oder die Nutzung alternativer Energien. Zum anderen verliert die Arbeit aufgrund immer neu angerissener Aspekte an Kontur. Die Gedanken sind sprunghaft und zum Teil wenig miteinander verbunden oder sogar falsch plaziert. So sorgt beispielsweise das Kapitel zur "Geschichte der internationalen Umweltbewegung" zwischen "Umweltschutz in China" und "Chinesische Kultur und Umweltschutz" für Irritation.

Das Lektorat des Peter-Lang-Verlages läßt leider wieder einmal zu wünschen übrig. Verwunderung löst der Klappentext aus, in dem vom neuerlichen WHO-Beitritt Chinas die Rede ist. Offensichtlich ein entscheidender Tippfehler.

Das Buch ist bei Libri zur Zeit nicht erhältlich. Nähere Informationen zum Buch und Bestellmöglichkeit über den Peter Lang Verlag.



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